Roboter und Neurotechnologie: Unsere Welt 2027.

Zahlreiche japanische Unternehmen verdanken ihm den Launch mobiler Services. Er gilt als anerkannter Berater globaler Tech-Konzerne und spricht auf den digitalen Kongressen dieser Welt. Bei Dentsu Inc., einem der global größten Agentur-Netzwerke, ist er Global Director of Innovation and Business Development. Im Rahmen seiner Closing Keynote gab Kei Shimada beim Werbeplanung.at Summit 2017 einen Ausblick auf unseren Alltag in zehn Jahren.

© Markus Wache

Als Kei Shimada 1996 seine Abschlussarbeit über Mobile Marketing schreiben wollte, war es sein Professor, der sagte: „Ich verstehe nicht, wovon du sprichst.“ Was die Zukunft bringen kann, das herauszufinden war schon immer sein Ding. „Ich war diesbezüglich damals schon etwas anders“, lässt Shimada zu Beginn der Keynote das Publikum wissen.

Heute steht er bei Dentsu Inc. zehn Tech-Labs vor, die von Künstlicher Intelligenz, Biometrik und Internet of Things bis zu Robotern, Dronen und Wearables die künftige Entwicklung abdecken sollen. „Eigentlich mache ich Marketing, aber das alles hat mich immer schon interessiert“, sagt Shimada nebenbei, „und ich will unseren Kunden sagen können, was sie in drei bis fünf Jahren tun sollten“.

Und eines sollte man definitiv tun: Die Herausforderungen abschätzen können, die auf unsere Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten einprasseln werden. In einigen Jahren wird Österreich neben 16 anderen europäischen Ländern etwa von Überalterung betroffen sein. Blick in die Vergangenheit: Japan habe ob des Bevölkerungswachstums schon vor 40 Jahren gewusst, dass man ein Schnellzugnetz aufbauen müsse, um der notwendigen Mobilität Herr zu werden. „Viele interpretieren das Thema Innovation als Promotion- oder Kampagnen-Boost. Aber das ist keine Innovation. Das sind Eintagsfliegen“, stellt Kei fest. Worum es eigentlich gehe, sei die Vorbereitung auf eine langfristige soziale Veränderung. Und hier seien fünf Bereiche tonangebend.

„Ob ihr wollt oder nicht, das ist es, was passieren wird“

Zum einen Künstliche Intelligenz, „die bei Bildung, automatisiertem Transport oder der Heilung seltener Krankheiten zum Tragen kommen wird.“ Weiters Roboter. So schickte er mit Dentsu vor vier Jahren den ersten sprechenden Weltraum-Roboter mit einem Raumschiff mit. „Roboter werden näher an uns heranrücken. Und der Fokus liegt dann natürlich auf der Gesellschaft“, prognostiziert Shimada. Bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 sollen es Roboter sein, die am Flughafen die Gäste empfangen, um bei Übersetzungen, Gepäcktransport oder mit Tipps zu helfen, wie man am schnellsten in die Stadt komme („Haneda Robotic Lab“). „Robots are closer than you think“, so Shimada. „Taxifahrer und auch andere Jobs werden ersetzt werden. Ob ihr wollt oder nicht, das ist es, was in den nächsten zehn bis 20 Jahren passieren wird.“

Auch auf Shimadas Liste: Mixed Reality. Eine Mischung aus Virtual und Augmented Reality, welche in Brillengläsern und Kontaktlinsen integriert werden kann. „Der Fernseher wird 2027 sowieso obsolet sein.“ Außerdem: Wearables, „denn die Menschen haben ein zunehmendes Bedürfnis, sich mit Technologie und Wearables auseinanderzusetzen. Smartphones hingegen werden in zehn Jahren nur noch ein Witz sein.“

 „Zukunft vorherzusagen ist nicht schwer, wenn man mit der sozialen Veränderung geht"

Und schließlich: Neurotechnologie. Bereits jetzt gäbe es Messinstrumente wie die Neurocam oder „Brainwaves for Business“, die Emotionen des Gehirns identifizieren und visuell übertragen. Und das ist es, was die Kommunikationsbranche für sich nutzen könne. Aber nicht nur: Solche Messgeräte seien auch in der Medizin einsetzbar. „Man kann damit bei kranken Menschen, die sich nicht verständigen können, herausfinden, wo etwa die Ursache ihrer Schmerzen liegt“, erklärt Shimada.

„Das Unterbewusstsein ist die nächste Form der Kommunikation“ wie Shimada festhält. Und sein Resüme: „Die Zukunft vorherzusagen ist nicht schwer, wenn man mit der sozialen Veränderung geht. Innovation kann uns hier vieles ermöglichen.“