Künstliche Intelligenz: Teamworker statt Terminator.

Schluss mit der Panikmache: Artificial Intelligence ist (AI) bereits seit vielen Jahren in unserem Alltag präsent, ohne dass wir sie immer so bewusst wahrnehmen. Ein Gastkommentar von Dorothee Ritz, General Manager Microsoft Österreich.

© Microsoft Österreich

„Die Invasion der Maschinen“ oder „Jetzt kommen die Roboter“ lauten die Schlagzeilen, wenn es um die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz geht. Die Anspielungen auf pessimistische „Mensch gegen Maschine“-Szenarien aus Hollywood, untermauert mit Studienergebnissen, die das Ende unserer Jobs verkünden, schüren Angst vor der digitalen Zukunft. Höchste Zeit, zwischen Science-Fiction und echtem technologischem Fortschritt zu unterscheiden.  

Wir befinden uns derzeit in einer Situation, die vergleichbar ist mit dem Beginn der Dampfeisenbahn im Jahr 1825. Ihre damals unvorstellbare Geschwindigkeit war den Menschen nicht geheuer und man fürchtete sie als krankmachendes Teufelswerk, welches Natur und Mensch zerstören würde. Heute ist es die rasende Geschwindigkeit der Digitalisierung und die damit einhergehende Veränderung unserer Welt, die vielen Menschen Angst macht. Wir lesen nun täglich von Maschinen, die lernen können, Tätigkeiten eigenständig auszuführen, und zwar präziser und schneller als wir. Wir lesen von künstlichen Intelligenzen in Form von digitalen Assistenten, die in unsere Smartphones, Wohnzimmer und Autos Einzug halten und die immer mehr über uns und unsere Vorlieben lernen, je häufiger wir sie verwenden. Viele sehen bereits ihre Jobs, ja sogar die gesamte Menschheit durch Roboter bedroht.  

Artificial Intelligence hat viele Gesichter 

Dabei ist Artificial Intelligence (AI) bereits seit vielen Jahren in unserem Alltag präsent, ohne dass wir sie immer so bewusst wahrnehmen. Bei McDonald‘s ist sie beispielsweise in Form von Spracherkennung zur Unterstützung der MitarbeiterInnen im Einsatz und sorgt für einen möglichst effizienten, reibungslosen Ablauf der Drive-ins. Und im Schulunterricht können Kinder sprachliche Barrieren überwinden, indem Sprache in Echtzeit übersetzt wird. Bei Thyssenkrupp minimiert AI die Ausfälle von Aufzügen und senkt Reparaturkosten, weil Aufzüge sich rechtzeitig melden und gewartet werden können. Chatbots wie Mica – the Hipster Cat Bot schlagen uns u.a. die hippsten Lokale und Restaurants in unserer Nähe vor und digitale persönliche Agenten wie Cortana, helfen uns z.B., einen Überblick über unsere Termine und Kontakte zu bewahren. In der Forschung hilft künstliche Intelligenz bereits dabei, Tumore zu entdecken und zu bekämpfen. 

Wir sehen: AI hat viele „Gesichter“, aber mit den vielfach prognostizierten Science-Fiction Endzeitszenarien haben diese wenig zu tun. Am Ende des Tages ist es wichtig, welchen Nutzen eine neue Technologie bringen kann. Richtig eingesetzt, kann AI die Menschen sinnvoll unterstützen.  

AI bringt schier unbegrenztes Potential für eine bessere Welt 

Technik ist neutral und erhält erst durch ihren Einsatz ihre Wirkung. Die Chancen der künstlichen Intelligenz zur Erweiterung der menschlichen Fähigkeiten und zur Verbesserung der Gesellschaft sind nahezu unbegrenzt. Mit modernen Technologien werden Dinge möglich und Zugänge geschaffen, die bis dato nicht vorstellbar waren. 

So hat der blinde Microsoft Entwickler Saqib Shaikh beispielsweise eine Kamera-Brille entwickelt, die ihm dank künstlicher Intelligenz nicht nur Texte vorlesen, sondern gleichzeitig auch beschreiben kann, was in seiner Umwelt passiert. Die Brille kann Personen erkennen und deren Emotionen richtig einschätzen – für Sehbehinderte ist dies ein bisher kaum vorstellbarer Gewinn an Lebensqualität. 

Technologien können der Schlüssel für eine inklusivere Gesellschaft sein. Bei Microsoft glauben wir deshalb, dass Informationen frei zugänglich und Kommunikation barrierefrei sein müssen. Technologien müssen für alle Menschen zugänglich sein – unabhängig von ihrer Hardware, Software, Sprache, Kultur, Ort, unabhängig von ihren physischen oder kognitiven Fähigkeiten. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, AI zu demokratisieren und unsere Erkenntnisse allen zugänglich zu machen: Entwicklern durch unser Microsoft Bot Framework und Anwendern, indem wir künstliche Intelligenz in unsere Produkte integrieren. Unser Ziel muss es sein, Maschinen beizubringen, das zu tun, was wir Menschen tun können, damit sie uns bei diesen Tätigkeiten unterstützen können. Damit sie uns helfen, mehr zu erreichen. 

Mensch und Maschine – ein unschlagbares Team 

Es geht keinesfalls darum, Menschen durch künstliche Intelligenz zu ersetzen. Im Gegenteil: Mensch und Maschine ergänzen sich ganz hervorragend und werden als Team unschlagbar sein. Unsere Empathie, Kreativität, Emotionalität und unser Innovationsgeist kombiniert mit der Fertigkeit von Maschinen, in riesigen Datenmengen rasend schnell Muster zu erkennen, ermöglicht uns künftig Großes. Ich bin davon überzeugt: Wenn wir lernen, gut mit Maschinen zusammen zu arbeiten, werden wir die Chance haben, die großen Probleme der Menschheit zu lösen. Künstliche Intelligenz wird uns dabei helfen, Krankheiten zu heilen, das Klima zu verbessern, Ressourcen sinnvoller zu nutzen und auch die Zahl der Verkehrstoten drastisch zu senken. AI wird mehr Nutzen als Schaden bringen, wenn wir es richtig machen.  

„Wir müssen bei AI alles richtig machen“ 

AI wirft wichtige ethische und datenschutzrechtliche Fragen auf, die geklärt werden müssen. Als Entwickler von künstlicher Intelligenz liegt es auch mit in unserer Verantwortung als Microsoft, dafür zu sorgen, dass AI sinnvoll eingesetzt und Risiken minimiert werden. 

Microsoft hat daher grundlegende Gestaltungsrichtlinien für die Erschaffung künstlicher Intelligenz entwickelt:

  • Die wichtigste Regel ist, dass AI Vertrauen in Technologie schaffen muss, indem sie Sicherheit und Privatsphäre bewahrt.
  • Ein weiterer wesentlicher Punkt ist Transparenz. Intelligente Algorithmen dürfen sich nicht in einer Art “Black Box” der Kontrolle des Anwenders entziehen sondern müssen überprüfbar und nachvollziehbar sein.  

Data Scientists, Crowdworker & Co: Die Jobs der Zukunft 

Im Rahmen der digitalen Transformation werden viele Jobs obsolet und zweifellos auch sehr viele neue Jobs geschaffen. Aufgrund des Tempos der Veränderung ist aber vollkommen offen, wie viele verloren gehen, bevor neue geschaffen werden. Es gibt zahlreiche Prognosen, viele davon sind pessimistisch: so sollen z.B. 40 % aller Jobs in Österreich durch die Digitalisierung und die Veränderung der Arbeitswelt betroffen sein. Gleichzeitig besagen Prognosen, dass wir einen Großteil der Jobs, die es 2025 geben wird, heute noch nicht kennen. 

So könnten Arbeitskräfte von morgen als Virtual Habitat Designer beispielsweise unsere virtuellen Welten von morgen gestalten, als Digital Cultural Commentators als Geheimwaffe für Marken in einer visuell dominierten Welt operieren oder als IoT Data Creatives helfen, uns im Dschungel der vernetzten Welt von morgen richtig zu navigieren. Ethical Technology Advocates könnten explizit für die Einhaltung moralischer und ethischer Grundsätze zur Zusammenarbeit von Mensch und Maschine verantwortlich zeichnen. 

Wir sehen bereits heute solche neuen Berufsfelder entstehen: z.B. die Data Scientists, die dafür verantwortlich sind, aus großen Datenmengen Informationen zu generieren und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Dieser Beruf wird künftig enorm an Relevanz gewinnen, denn die Fähigkeit, aus der Informationsflut Entscheidungen ableiten zu können, entscheidet über Erfolg oder Misserfolg – im Privaten wie im Unternehmen. 

Auch der Job als Crowdworker wäre heute ohne Digitalisierung nicht möglich. Vielleicht müssen sich Designer demnächst auch verstärkt mit 3D-Druck auseinandersetzen und Architekten das Thema Smart Home gleich mitdenken. 

Digitale Talente werden es auf jeden Fall einfacher haben und der Jobaufbau wird stark davon abhängen, wie schnell wir diese Talente ausbilden können. 

Bildung für den digitalen Nachwuchs 

Für die Jobs der Zukunft werden, neben digitaler Expertise, unsere menschlichen Eigenschaften wieder wichtiger: Neugier, Kreativität und Erfindergeist –Dinge, die Maschinen nicht lernen können und Dinge, die das Schulsystem stärker fördern muss. 

Im Umbau des Schulsystems sehe ich daher derzeit die größte Herausforderung. 

Österreichs Schulen müssen digitaler werden und Kinder, v.a. Mädchen, für Technologie stärker begeistern. Dafür müssen wir ihnen Vorbilder sein, ihnen frühe Erfahrungen mit Technologien ermöglichen, ihnen konkrete Berufsbilder und ihre persönlichen Potentiale aufzeigen. Microsoft unterstützt zahlreiche Bildungsinitiativen, beispielsweise haben wir erst kürzlich unseren Learning Hub eröffnet, der zeigt, wie das Lehren und Lernen der Zukunft aussehen kann. Mit dem „Microsoft Innovative Educator“-Programm, zeichnen wir außerdem Visionäre unter den Lehrkräften aus, die moderne Technologien bereits für bessere Lernerfahrungen und -ergebnisse einsetzen und damit auch ihren KollegInnen den Weg in die digitale Bildung aufzeigen. Mit den Microsoft Showcase Schools haben wir eine Gemeinschaft von Schulen auf der ganzen Welt geschaffen, die sich für den digitalen Wandel einsetzen, um Lernerfolge zu optimieren. 

Das Bildungssystem muss Schülerinnen und Schüler auf das neue Arbeiten und Zusammenarbeiten vorbereiten und mithelfen, aus unseren Kindern die digitalen Heldinnen und Helden von morgen zu machen. Nur so werden die Jobs der Zukunft und die Zusammenarbeit mit künstlicher Intelligenz auch tatsächliche Perspektiven für die Zukunft. 

Über die Chancen und Gefahren Künstlicher Intelligenz werden Experten auch auf dem Werbeplanung Summit diskutieren.

Klicken Sie hier, um mehr über die Experten des Panels zu erfahren.

Klicken Sie hier, um mehr über das Summit zu erfahren: http://summit.werbeplanung.at/

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