Hyder: "Der Impuls zählt und das Kennen der Zielgruppe".

Jungunternehmerin Shama Hyder sprach in ihrer Werbeplanung.at-Summit-Keynote über die fünf Grundsätze, die Unternehmen beachten sollten, um im digitalen Zeitalter erfolgreich zu sein. Dabei gehe es vor allem um den richtigen Impuls und das Verständnis für die eigene Zielgruppe.

Shama Hyder, CEO "The Marketing Zen Group" sprach in ihrer Keynote über die fünf Grundsätze, die Unternehmen beachten müssen, um im digitalen Zeitalter erfolgreich zu sein. © Markus Wache

Shama Hyder, eine in Indien geborene Geschäftsfrau und Digitale Visionärin spricht in ihren einleitenden Worten zu "Momentum. How to Grow your Business and Brand" über ihre Masterarbeit in „Organizational Communication of Technology“. In diesem Studium ging es um die Auswirkung von Technologie auf organisatorische Kommunikation.

Ob sich das Publikum an die Jahre 2007/08 erinnere, die Zeit vor dem iPhone, ohne Snapchat und Instagram. Im Zentrum ihrer Masterarbeit stand die Social-Media Plattform Twitter, „als es nur 2.000 User hatte“, erinnert sich die Jungunternehmerin. Heute seien es 325 Millionen User. Ich sah schon zu der Zeit, dass diese Plattformen auch den Markt verändern werden, das war mit ein Grund warum ich 2009 „The Marketing Zen Group“ gründete. „Wir waren eine der ersten PR-Agenturen im Bereich Digital weltweit“, heute arbeitet Hyder mit Kunden von Litauen bis Hongkong und sie zählen zu den Forbes 500 Unternehmen.

Neue Währung Aufmerksamkeit

Um wirklich zu erkennen, was im Bereich Social funktioniert, müsse man erst einen Schritt zurück gehen, betont Hyder. Nur dann können Unternehmen langfristig vorwärts kommen. Was sie damit meint? Für lange Zeit gingen Unternehmen davon aus, Push Unternehmen zu sein, d.h. sie hatten eine Message, die von einer Zielgruppe gehört wurde. Heute ändere sich das Selbstbild allerdings; es ginge nicht mehr darum, so viele Nachrichten wie möglich auszusenden, sondern die wertvolle Aufmerksamkeit der User und damit ihr Vertrauen zu gewinnen, sagt Hyder.

Eine große Herausforderung gibt es dabei: die zahlreichen anderen Unternehmen, die um diese Aufmerksamkeit buhlen. Um diese Aufmerksamkeit zu gewinnen, sei es nicht nur wichtig relevanten Content zu erstellen, sondern dem Publikum auch die Chance zu geben, das nötige Vertrauen zu einer Marke aufzubauen. Als Beispiel nennt sie den PR-Eklat United Airlines, der vor ein paar Wochen die Medien dominierte. Die Frage ans Publikum: „Wer kennt den Eklat mit United Airlines nicht?“

Für die Jungunternehmerin war vorweg klar, dass alle im Publikum darüber Bescheid wussten; weil „die Sache mit United Airlines ein globales Phänomen wurde, jeder hat die Story geteilt und diese Möglichkeit, mit anderen in Verbindung zu treten ist eine einzigartige Chance auch für Ihr Business.“ Dabei, streicht Hyder heraus, dominiere die Qualität der Kreativität auch die Strategie. Wie können Unternehmen Humor in ihre Message einflechten, wie können sie ihr Publikum langfristig an ihre Marke binden und das möglichst so, dass dadurch eine Beziehung, die auf Vertrauen beruht, entsteht?

Den digitalen Plattformen kommt dabei die Rolle eines neuen Ökosystems zu. „Technologie ist nicht nur etwas, das wir heute nutzen; es ist Teil unseres Lebens“, sagt sie.

Momentum: die fünf Wege zum Erfolg

Um im digitalen Dschungel erfolgreich zu sein, nennt Shama Hyder fünf Prinzipien, die Unternehmen beachten sollten, um auch langfristig bei ihrer Audience zu punkten. Als Unternehmen sei es essentiell „kundenfokussiert zu agieren“, heißt: „Schauen Sie sich doch einmal an, warum Menschen Dinge auf Social Media Plattformen posten oder teilen“? Sie sei zwar kein Psychologe, streicht aber das natürliche menschliche Verhalten heraus, das über Erfolg oder Misserfolg „in ihrem Business entscheiden kann“, betont Hyder.

Sie stellte die These auf, dass es bei dem ganzen Sharen und Posten auf Twitter, Facebook und Co um das Gefühl von Zugehörigkeit ginge. Dabei lag sie falsch, denn: „Es geht um die Zurschaustellung der eigenen Identität“, sagt Hyder. Das heiße für Marken und Unternehmen sich genau anzusehen, was ihre Zielgruppe möchte und die Frage sollte lauten: „Was hat der Kunde von meinem Produkt, meiner Marke und was kann er dadurch an sich selbst entdecken?“

In ihrer Keynote nennt sie einige Beispiele die es geschafft haben, die Aufmerksamkeit ihrer Zielgruppe durch Erweiterung ihres Markenimages zu erreichen. Eine Bank, die auf den ersten Blick nicht so aussieht, wie eine Bank – die man auch leicht mit einem Coffee Shop oder einer Bibliothek verwechseln könnte. Oder Moleskine – der Hersteller von Notizbüchern eröffnete ein Cafe in Mailand und bewies damit eine „gelungene kundenfokussierte Strategie“, streicht Hyder hervor.

Ein Freizeit- und Wasserpark in Santa Claus, Indiana bietet kostenfreie Sonnencreme an. „Überall auf dem Areal sind die Sonnencreme-Spender verteilt; die Leute lieben sie“, sagt Hyder in ihrem Vortrag. Und noch besser: „Die Eltern müssen nun nicht mehr ihren Kindern hinterherlaufen, um sie mit Sonnencreme einzuschmieren; es ist überall verfügbar“. Es sei eine minimale Extraausgabe für das Unternehmen, aber ein großer Erfolg für das Geschäft. Die Rolle von Social Media sei dabei klar: „Social Media wirkt als Verstärker, weil Leute über das reden, was nicht alltäglich ist und was auffällt“, sagt Hyder.

Zweitens, sei es wichtig seine Kunden und Zielgruppe auch zu erziehen und weiterzubilden und da diese bereits ein höheres Ausbildungslevel genießen, neugieriger und auf der Suche nach Informationen sind, „sollte gute Werbung auch diese Attribute erfüllen“, streicht sie heraus.

Auch die Transparenz spielt eine wesentliche Rolle, um in der heutigen digitalen Zeit als Unternehmen zu bestehen. „Während Geschäftsführer früher unnahbar waren, können sie heute auf allen möglichen Plattformen erreicht werden; Transparenz ist ein ganz wichtiger Aspekt für den richtigen Impuls“, betont die Jungunternehmerin. Ihr Appell an das Publikum: „Gebt euer Zielgruppe die Wahl und wachst hinaus, um die Ansprüche eurer Audience gerecht zu werden“. Dabei spielen die Unmengen an Daten die heute verfügbar sind, eine wichtige Rolle, nämlich „sehen Sie sich die Daten genau an, und halten Sie an keiner Idee fest, nur weil Sie sie gerne haben oder nicht loslassen wollen“, sie nennt dieses Phänomen „sacred cows.“

In einer Welt, in der sich rapide alles ändert, ist es essentiell auch für Unternehmen wendig zu bleiben. „Beispielsweise durch Maßnahmen wie A/B Tests, bei der festgestellt werden kann, welche Landing Page am besten für Ihr Unternehmen funktioniert“, streicht sie heraus. Man solle immer hinterfragen und neue Tools auch in die alltägliche Arbeit integrieren, wie zum Beispiel „heat maps“. Dieses Diagramm dient der Visualisierung von Daten und man hat damit die Möglichkeit zu erkennen, wo die Zielgruppe auf einer Landing Page als erstes hinsieht.

Dabei ginge es vielmehr, als nur um eine Spielerei: durch die Integration von heat maps konnten bis zu 40 Prozent mehr Klicks generiert werden, betont Hyder nach ihren eigenen Erfahrungen. Dabei sollten sich Unternehmen stets im Klaren sein: 99,9 Prozent des online gestellten Contents geht „nirgendwohin, nur weniger als 0,1 Prozent Ihres Contents bekommt +1.000 Shares“, sagt Hyder.

Deshalb sei es wichtig, immer agil zu bleiben und die Zahlen regelmässig zu checken und zu hinterfragen. Der nächste wichtige Punkt für den Erfolg in einer digitalen Welt bezeichnet Hyder mit dem Stichwort der Integration. „Weg mit dem Silo-Denken; auch unser Leben wird bestimmt von zahlreichen Endgeräten, wie Smartphones, Tablets oder Laptops; wir nutzen auch digitale Plattformen oft gleichzeitig“. Und genau dieser Punkt sollte Unternehmen bewusst sein, dass eine Kampagne beispielsweise nicht nur auf einem Kanal ausgespielt werden sollte. Und genau dies sei „unser Job, jeden Aspekt dieser Möglichkeiten einer Zielgruppe so aufzubereiten, dass sie gerne zuhört oder zusieht“. Dabei streicht sie Pinterest als die am schnellsten wachsende digitale Plattform heraus und betont: „Zwar verkauft die Plattform keine Produkte per se, aber sie gibt Ideen und filtert die Informationen die in der digitalen Welt verfügbar sind“, sagt Hyder. Sie sieht auch für die nahe Zukunft, dass „solche Plattformen sicherlich an Bedeutung zunehmen werden“. Übertragen auf Unternehmen heißt das: „Zeigt eurer Zielgruppe was sie für sich nutzen können, und ihr werdet langfristig erfolgreich sein“.

Last but not least, nennt sie Online Video als Trend und unterstreicht die Bedeutung durch einen Vergleich: während 64 Prozent der Menschen eine 30-minütige Onlinewerbung zu Ende sehen, lesen lediglich 24 Prozent der Audience einen Artikel bis zum Schluss. Dabei erwähnt sie besonders Facebook Live Video - „ich sehe ja selbst, dass es funktioniert, wenn ich ein Video poste habe ich – wenn es gut läuft – 5.000 Views; wenn ich dasselbe Video via Facebook Live poste, habe ich 144.000 Views.“

Als Schlussworte gibt sie dem Publikum mit: „Denken Sie anders, machen Sie das Meiste aus den Möglichkeiten, die die digitale Welt bietet, schließlich haben Sie es in der Hand, ihr Publikum zu verstehen und ihm das zu geben, wonach es wirklich sucht“.

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