"Einer für alle, alle für einen!".

Über Ziele und Ambitionen des Vermarkters Styria Digital One plaudern Geschäftsführer Alexis Johann sowie die beiden Head of Sales, Marion Stelzer-Zöchbauer und Regina Rath, im update-Interview.

Alexis Johann, Geschäftsführer des Vermarkters und Technikanbieters Styria Digital One: „Wir haben alle angebotenen Produkte und Preise von vier verschiedenen Plattformen und einem Vermarkter zusammengeführt. Und wir haben es geschafft, das auf einem One-Pager ganz klar unterzubringen, sogar mit Rabattstaffeln und Ansprechpartnern.“ © Johann Alexis Werbeplanung.at

Werbeplanung.at: Der Tenor des Marktes nach der Gründung von Styria Digital One, der Vermarktungs- und Technik-Tochter der Styria-Medien, war durchwegs positiv. Was hat Ihre Kunden auf Agenturseite und in der werbetreibenden Wirtschaft vom neuen Angebot - unabhängig von der Einfachheit der Buchung und von einem Ansprechpartner - überzeugt?

Alexis Johann: Sie freuen sich! Sie wissen, dass die Styria eine Familie ist, in der die Marken und das Portfolio gut zusammenpassen, die Zielgruppen attraktiv sind und die Bündelung Sinn hat. Sie wissen, in welchem Konkurrenzkampf wir intern standen und wie schwierig es für uns und auch für sie war, diese Produkte in ein gemeinsames Angebot zu bekommen. Diese Schwierigkeiten gibt es nun nicht mehr.

Werbeplanung.at: Erleichterung ist also einer der Gründe für die positive Reaktion …

Alexis Johann: Erleichterung ist das eine, das andere ist: Auch für unsere Kunden wird diese Welt nicht einfacher, sondern immer komplexer. In der herkömmlichen Welt habe ich vielleicht eine Handvoll, in der digitalen Welt aber eine Unzahl an Partnern. Die Zukunft geht dahin, große relevante Reichweiten buchen zu können, aber auf der anderen Seite auch die Vielfalt zu haben, diese Möglichkeiten ausspielen zu können. Ich denke, die Kunden haben damit zusätzlich zu jenen, die sehr attraktiv im Markt stehen – wie ORF-Enterprise, „Der Standard“ oder neu eintretend Google –, jetzt einen weiteren Player. Das ist spannend, weil das die Möglichkeiten belebt.

Werbeplanung.at: Der eine Ansprechpartner findet sich ja auch im Firmennamen Styria Digital One wieder. Was soll der Name noch zum Ausdruck bringen?

Alexis Johann: Wir haben in Summe 60 Portale, für die wir im Verkauf und ein Dutzend Portale, für die wir in der technischen Produktentwicklung tätig sind. Wir sind innerhalb des Unternehmens der Ansprechpartner für das digitale Nachrichtengeschäft und derjenige, der das digitale Geschäft entwickelt und vorantreibt. Das andere ist ein emotionaler Aspekt. Wir haben eine ganze Menge an Top-Leuten, die wir teilweise von der Konkurrenz abwerben mussten oder die wir selbst ausgebildet haben. Styria Digital One trägt auch die Emotion in sich, daraus jetzt ein Team formen zu können – ein Dream Team, um auf diesem Markt gegen starke Mitbewerber anzutreten.

Werbeplanung.at: Styria Digital One ist nun, was das vermarktbare Inventar anbelangt, mit einem Schlag Marktführer unter den Vermarktern von Online-Werbung in Österreich. Warum hat man sich bei der Styria Media Group mit diesem Schritt so lange Zeit gelassen und eine Menge Geld liegen gelassen?

Alexis Johann: Österreich ist weltweit – so wie auch Japan – in Bezug auf das Leseverhalten von Zeitungen eine Insel der Seligen. Der Shift Richtung digital ist sehr spät gekommen. Den Druck zur Veränderung habe ich in den USA gesehen, wo die Tageszeitungen innerhalb von fünf Jahren 60 Prozent ihrer Umsätze verloren haben, und in Frankreich, wo den Kaufzeitungen die Leser weggebrochen sind. In den USA wandert das Geld nicht zwingend von der Print- zur Online-Tageszeitung, sondern in die Taschen von Google und Facebook. Es war für uns sehr unklar, was in Österreich passiert, und wir haben viel Zeit mit der Szenarienbildung verbracht. Wir kommen vielleicht später, aber mit frischeren Ideen.

Werbeplanung.at: Was bedeutet das Auftreten der Styria Digital One für den Gesamtmarkt in Österreich?

Alexis Johann: Unser Portfolio unterscheidet sich von anderen, da wir Qualitätsmedien bieten. Dahinter steht qualitativ hochwertiger Journalismus, der ist natürlich teurer und schwerer zu refinanzieren. Es ist nicht egal, ob ich im Internet auf einem Free-Mail-Programm, im Telefonbuch oder auf einer Premium-Newsplattform werbe. Ich glaube, damit bringen wir auch etwas in den Markt hinein. Das könnte bewirken, dass sich Budgets von anderen Werbeformen in Richtung digital und auch in Richtung „Premium“ digital bewegen.

Werbeplanung.at: Ist die Styria Digital One auch ein attraktiverer Partner für Portalbetreiber außerhalb der Styria Media Group? Und wenn ja, welche Art von Portalen wollen Sie mit der Styria Digital One zusätzlich zum bestehenden Angebot vermarkten?

Marion Stelzer-Zöchbauer: Für uns sind natürlich Nachrichtenplattformen ein Thema, auch Reise- und Frauenportale und der Gesundheitsbereich. Wenn wir uns die ÖWA-Plus-Daten anschauen, gäbe es noch ein bis zwei Portale, die ganz gut zu uns passen würden. Wir sind schon in Gesprächen, dürfen aber noch nichts verraten.

Werbeplanung.at: ÖWA ist ein schönes Stichwort: 3,1 Millionen -Österreicher pro Monat, 650 Millionen Page Impressions pro Monat und 500.000 Unique Clients pro Tag sind die Assets der Styria Digital One. Wenn man sich die ÖWA ansieht, dann zeichnet 
für die Gesamtperformance aber in einem hohen Maß ein Angebot verantwortlich: nämlich willhaben.at

Marion Stelzer-Zöchbauer: Wenn man die Nachrichtenplattformen von „WirtschaftsBlatt“, „Die Presse“ und „Kleiner Zeitung“ zusammenzählt, kommt man nie auf diese große Reichweite wie von willhaben.at. Das ist logisch, das sind unterschiedliche Plattformen. Die Kunden wissen das, denn willhaben.at ist bei uns in einem Reichweitenprodukt enthalten – und wir vermarkten das im Netzwerk mit.

Alexis Johann: Ich verstehe das ein bisschen als die Frage nach der Etikettierung. Wir sprechen von Journalismus – und im Grunde genommen haben wir auch willhaben.at mit Classifieds dabei. Dieses Phänomen gibt es auch bei anderen Medienhäusern, bei denen andere Angebote die eigentliche Reichweite ausmachen …

Regina Rath: Wir haben in Österreich, aber auch international, zahlreiche Kundengespräche geführt, um herauszufinden, was die Kunden bewegt. Sie wünschen sich große Reichweiten und auf der anderen Seite individuelle Lösungen und Ideen. Beides zählt. Wir bieten nun sämtliche Möglichkeiten an: Die Kunden können zum Beispiel zu 80 Prozent sehr spezifisch „Die Presse“ und zu 20 Prozent im großen Netzwerk – mit willhaben.at und anderen – buchen und bekommen auch dort genau ihre Zielgruppe. Willhaben.at bietet allerdings super Möglichkeiten für individuelle und spezielle Buchungen – und verkauft diese mit einem eigenen Team.

Werbeplanung.at: Komplexität – auch im Vergleich zu anderen Mediengattungen – ist bisher ein Hemmschuh für Online-Werbung in Österreich. Was war Ihnen beim generellen Angebot an Ihre Kunden und bei der Tarifgebarung wichtig?

Marion Stelzer-Zöchbauer: Wir haben alle angebotenen Produkte und Preise von vier verschiedenen Plattformen und einem Vermarkter zusammengeführt. Und wir haben es geschafft, das auf einem One-Pager ganz klar unterzubringen, sogar mit Rabattstaffeln und Ansprechpartnern. Bis dato fahren wir mit diesem One-Pager sehr gut. Wir werden am Markt angenommen und verstanden.

Werbeplanung.at: Styria Digital One ist aus der Zusammen-führung unterschiedlicher Unternehmen und Marken entstanden und beschäftigt 50 Mitarbeiter an 
den Standorten Wien und Graz. Waren vom ersten Tag an alle auf das neue Unternehmen eingeschworen?

Alexis Johann: Das ist ein spannender Change-Prozess, der noch nicht zu Ende ist. Wir haben sehr viel nachgedacht und diskutiert. Ich finde es sehr positiv, dass wir im Wettbewerb stehende Tageszeitungen dazu bewegen konnten, in diesem digitalen Geschäft an einem Strang zu ziehen. Dann ist auch noch die Styria Multimedia dazugekommen. Das ist ein positives Erlebnis – birgt aber auch Verlustängste und Schwierigkeiten, die es bei einem Konzern mit 3.000 Mitarbeitern immer gibt.

Werbeplanung.at: Gab oder gibt es in der Styria Digital One Berührungsängste – schließlich wurden ehemalige Konkurrenten zu Partnern, die jetzt alle an einem Tisch sitzen?

Marion Stelzer-Zöchbauer: Berührungsängste sind verständlich, denn im Grunde haben 46 Leute an einem Tag Job, Portale, Arbeitsplätze, Aufgabengebiete, Kollegen und Vorgesetzte gewechselt. Ich glaube, wir haben das ganz gut in den Griff bekommen. Es gab im Voraus zahlreiche Mitarbeitergespräche, in denen wir versucht haben, die Stärken und Schwächen der Mitarbeiter auch den neuen Aufgaben zuzuordnen. Bis dato hat jeder Verkäufer alles gemacht, jetzt haben wir Leute im Sales, im Sales Service und Traffic-Manager. Das war für alle eine positive Erleichterung. Jeder hat gesehen, dass wir nicht mehr eine One-Man-Show sind, sondern dass wir uns am Markt professioneller aufstellen.

Werbeplanung.at: Wie viele Mitarbeiter werken denn eigentlich bei Styria Digital One?

Alexis Johann: Die Verkaufsmannschaft besteht aus 26 Leuten, plus der Abteilung Business Development mit vier Leuten. Dazu kommt die Produktentwicklung mit zehn Mitarbeitern, und in Graz gibt es noch sechs Produkt- und Business Developer.

Werbeplanung.at: Ein Standbein der Styria Digital One ist die digitale Produktentwicklung, in der rund die Hälfte der Mitarbeiter tätig ist. Diese kümmern sich einerseits um die bestehenden Portale, aber auch um „maßgeschneiderte Portal-, Design- und IT-Lösungen für externe Kunden“. Was bedeutet das konkret?

Alexis Johann: Wir machen Webseiten, komplett von der CMS-Lösung bis zum Front-End.

Werbeplanung.at: Warum sollte man mit derlei Anliegen zu Ihnen kommen und nicht zu einer Webagentur?

Alexis Johann: Das ist eine berechtigte Frage. In dieser Struktur steckt ein hoch performantes System, das auf viele User ausgelegt ist sowie darauf, aus einer Hand mehrere Portale betreiben zu können. Bei uns kann ein Redakteur an einem Sonntag eine gesamte Webseite mit 50 Channeln allein bedienen. Es kann aber auch ein Redakteur fünf Portale betreiben und steuern. Das ist eine Anforderung, die bei Unternehmen, die mehrere große Webseiten betreiben, durchaus ins Profil passt. Inklusive dessen, dass wir viele Dinge wie Rechte – also Bild- oder Autorenrechtemanagement – mitgedacht haben.

Werbeplanung.at: Sie haben bei der Vorstellung der Styria Digital One vehement darauf hingewiesen, dass die Gründung der Styria Digital One keine Einsparungsmaßnahme darstellt und dass die Redaktionen der beteiligten Styria-Medien von diesem Projekt unberührt bleiben. Warum diese Vehemenz in Ihren Aussagen?

Alexis Johann: Wir standen ein Jahr lang in den Medien, teilweise natürlich auch mit Restrukturierungs-themen. Styria Digital One ist aber keine Geburt der Restrukturierung im Sinne von „wir müssen auf die Kosten schauen“, sondern wir stellen uns besser für den Markt bzw. für die Kunden auf. Natürlich ist ein Effizienzgewinn drinnen, und natürlich wollen wir mehr Umsatz mit einer gleichbleibenden Mitarbeiterzahl machen. Jetzt haben wir eine Struktur, und mit der müssen wir wachsen. Das Zweite ist, dass die Redaktionen nicht markenübergreifend fusioniert werden.

Werbeplanung.at: Wie sieht die mittel- und langfristige Vision von Styria Digital One aus?

Alexis Johann: Damit ich die Nummer eins werden kann, muss ich stärker wachsen als der Markt. Das ist die untere Benchmark.

Werbeplanung.at: Wenn wir die fünf Unternehmen „Die Presse“, „Kleine Zeitung“, „WirtschaftsBlatt“, styria interactive und Styria Multimedia betrachten, welche Ziele haben Sie in puncto digitaler Umsatz?

Regina Rath: Ein Wachstum zwischen zehn und fünfzig Prozent. Das ist sehr unterschiedlich. Mit der Styria Multimedia etwa stehen wir mit einigen Portalen -gerade ganz am Anfang, die müssen natürlich ein viel höheres Wachstum bewältigen. Auch vom Bereich In-Stream erwarten wir uns massive Steigerungen. Mit manchen Portalen, die reifer sind, befinden wir uns in einem geringeren Wachstum. Unser Ziel ist: Wenn ich an digitale Werbung denke, dann denke ich an Styria Digital One.

Alexis Johann: Die Vision ist, auch neue Geschäftsfelder – zum Teil über Joint Ventures – zu erschließen, um unseren Kern – die journalistische Tätigkeit – zu stützen und für die Zukunft abzusichern. Qualitativ hochwertiger Journalismus lebt einerseits von User-Beiträgen – das tut er digital noch nicht – und andererseits von Subventionierung oder Anzeigenerlösen. Die Anzeigenerlöse werden allein nicht reichen, die User-Beiträge werden eine Challenge. Das heißt, wir brauchen in Zukunft auch wieder Möglichkeiten neuer Geschäftsmodelle.

Werbeplanung.at: Können Sie schon etwas mehr zu diesen neuen Geschäftsfeldern sagen?

Alexis Johann: Wir scannen derzeit sehr viele – über 
100 – Geschäftsmodelle und Firmen. Besonders spannend ist der Bereich Paid Content. Da gibt 
es weltweit zwei, drei erfolgreiche Beispiele. Wir wissen, dass wir die User-Interaktion stärken müssen, bevor wir dorthin kommen. Erst wenn ich in einer guten, sprich täglichen, Kundenbeziehung stehe, dann kann ich bei Besuchern Gebühren einheben. Da brauche ich vielleicht einen neuen Content, sicher aber auch neue Funktionalitäten. Und hier gibt es einige innovative Nischenplayer, 
die sehr gute Ideen haben. Wenn die User öfter kommen, dann kommen wir auch zu neuen Erlösquellen.

intelliAd
19. September 2017

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