„Sehen in der Kombination von Video und Display noch größeres Umsatzpotenzial“.

Oliver Böhm, Geschäftsführer der ORF-Enterprise, berichtet im Werbeplanung.at-Interview, dass er mit der im November 2013 angelaufenen Vermarktung der ORF-TVthek hoch zufrieden ist

Oliver Böhm, Geschäftsführer der ORF-Enterprise: „Die Verlängerung und Verstärkung von TV-Kampagnen in den Online-Bereich ist ein absolutes ,Muss‘.“ © Böhm Oliver Werbeplanung.at

Werbeplanung.at: Die Vermarktung der ORF-TVthek ist seit November 2013 im Gange: Wie zufrieden sind Sie eigentlich mit dem, was die ORF-Enterprise im Rahmen der TVthek vermarkten darf und was nicht?

Oliver Böhm: Wir bieten unseren Kunden mit der ORF-TVthek ein äußerst attraktives Umfeld mit qualitativ hochwertigem Content und dementsprechender Werbewirkung. Der Kunde profitiert von der Einzelstellung. Innerhalb von 10 Minuten spielen wir nur einen Spot. Wir sind seit Beginn der Bewegtbild Vermarktung im November ausgebucht. Unsere Kunden bedauern es, dass die TVthek auf Grund der gesetzlichen Beschränkungen nicht in vollem Umfang für die Werbewirtschaft nutzbar ist.

Werbeplanung.at: Der stellvertretende technische Direktor des ORF, Thomas Prantner, geht von einem Vermarktungspotenzial der ORF-TVthek im Bewegtbild- und Displaybereich von 600.000 bis 800.000 Euro pro Jahr aus. Petra Hauser, die Geschäftsführerin der Mediaagenturgruppe media.at glaubt eher an 2,8 Millionen Euro und meint, dass diese Berechung sehr konservativ angelegt sei. Wo sehen Sie das Vermarktungspotenzial der TVthek?

Oliver Böhm: Die Vermarktung der TVthek verläuft hoch effizient. In 2014 werden wir innerhalb der uns von der Behörde limitierten Möglichkeiten bei einer halben Million Euro Umsatz landen. 

Werbeplanung.at: Und wenn Sie sich die ersten Monate so ansehen: Ist die TVthek-Vermarktung so angelaufen, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Oliver Böhm: Die ORF-TVthek ist als Produkt am Markt bereits gut etabliert. Die Nachfrage ist ungebrochen hoch und die erzielten Auslastungen sind hervorragend. Von Vermarktungsseite sind wir sehr zufrieden. Insbesondere in der Kombination von Video und Display sehen wir aber noch größeres Umsatzpotenzial.

Werbeplanung.at: Ich nehme mal an, Sie sehen die Vermarktung der ORF-TVthek als wichtigen Impuls für den Gesamtmarkt. Ihre früheren privaten Mitstreiter sehen das naturgemäß anders. Was entgegnen Sie denen?

Oliver Böhm: Dass die ORF-TVthek ein wichtiger Impuls für den Gesamtmarkt ist, steht außer Frage. Die Verlängerung und Verstärkung von TV-Kampagnen in den Online-Bereich ist ein absolutes „Muss“. Das gilt natürlich insbesonders für den Marktführer in TV und Online.

Werbeplanung.at: Vor ziemlich genau einem Jahr waren Sie noch in Dauer-Opposition gegen ORF und ORF-Enterprise. Jetzt sind Sie auf Seiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und müssen sich nicht mehr über die Privilegien des ORF ärgern. Wie schnell ist Ihnen der Umstieg gelungen?

Oliver Böhm: Für jedes Land ist ein duales System Öffentlich-Privat richtig und wichtig. Die hohe Professionalität und das herzliche Willkommen im ORF - ohne jegliche Vorurteile gegen jemanden der von den „Privaten“ kommt - haben mir den Umstieg leicht gemacht. Es ist mir eine Ehre und eine Freude, hier mitzuarbeiten.

Werbeplanung.at: Gehen wir noch einmal zurück zu Ihrer Bestellung zu Beginn des Jahres 2013: Sie wurden ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz – wie man hört – vor allem vom kaufmännischen Direktor, Richard Grasl, ans Herz gelegt. Anscheinend wußten Sie bei den Bewerbungsgesprächen zu beeindrucken. Was war es genau, was Grasl überzeugt hat, dass Sie der Richtige sind?

Oliver Böhm: Der Kaufmännische Direktor wollte einen Vermarktungsprofi, der frischen Wind für die ORF-Enterprise und neue Impulse von außen bringt. Er wollte Flexibilität und einen kreativen Zugang zu neuen Werbeformen. Er wollte jemanden, der Österreichs erfolgreichsten Vermarkter neu aufstellt und noch erfolgreicher macht. Bekommen hat er letztendlich mich. (lacht)

Werbeplanung.at: Einer der Punkte, der Grasl in Ihrem Konzept gefallen hat, ist, dass Sie sich in keine Preis- und Rabattschlacht begeben wollen. Gilt das für sämtliche Segmente, also TV, Radio, Online?

Oliver Böhm: Ja.

Werbeplanung.at: Gleich zu Dienstantritt haben Sie erklärt, das Prinzip „One Face to the Customer“ aufweichen zu wollen und nicht mehr alle alles verkaufen zu lassen. Es soll im Verkauf Generalisten, aber auch Spezialisten geben, wobei vor allem Online ein Bereich ist, der wohl eher von Spezialisten beackert wird. Wie weit sind diese Bemühungen gediehen?

Oliver Böhm: Die intelligente Kombination aus alt und neu ist der Schlüssel zum Erfolg. Die neue, optimierte Struktur ist seit Ende vergangenen Jahres umgesetzt. Die Verkaufsleiter Petra Silbermair und Peter Strutz verantworten in traditioneller Manier 90 Prozent des Umsatzes. Sie sind nach bewährtem „One-Face-to-the-Customer Prinzip“ die Ansprechpartner der Mediaagenturen und Key Accounts für TV und Hörfunk und haben die Personalverantwortung für die Generalisten. Dorit Wolkenstein für Special Advertising und Matthias Seiringer für Online sind neu in der Verkaufsleitung und führen ihre Spezialisten. Wir setzen unser Spezialisten zielgenau in den Bereichen Radio (Hitradio Ö3, FM4), Online, bei Special Advertising, und im bei Bereich Kultur (ORFIII) ein. Mit Ende Februar haben wir unser Verkaufsteam um ein Drittel verstärkt. Wir sind bereits jetzt sehr zufrieden.

Werbeplanung.at: Bei Ihrer Antrittspressekonferenz haben Sie gemeint, dass Sie den TV-Anteil am Gesamtwerbekuchen in die Höhe schrauben wollen. Jetzt ist schon klar, dass TV der weit wichtigere Bereich für die ORF-Enterprise ist, aber wie sieht es mir Ihren Bemühungen aus, den Online-Anteil am Gesamtwerbekuchen zu vergrößern aus?

Oliver Böhm: 2013 sind unsere Umsätze sowohl im TV als auch Online im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Wir beobachten den Markt genau und analysieren die Trends. Und der Trend geht in Richtung Online. Vor allem Bewegtbild wird der Treiber. Wir haben vergangenes Jahr den „ORF-Onward“ ins Leben gerufen. Ein klares Signal zum hohen Stellenwert der Gattung Online im ORF. In der ORF-Enterprise selbst haben wir Matthias Seiringer als Verkaufsleiter Online installiert. Wir pushen Online nicht nur als eigenständige Mediengattung, sondern auch in Verbindung mit TV und Hörfunk. Dabei werden die Stärken und Reichweiten der einzelnen Gattungen optimal miteinander kombiniert, was den ORF für unsere Kunden einzigartig macht.

Werbeplanung.at: Sie haben in Ihre Tätigkeit als Geschäftsführer der ORF-Enterprise weder Erfahrung im TV-, noch im Online-Business mitgebracht, kennen sich aber dafür im Radio- und im Printgeschäft gut aus: Wie fit sind Sie bereits in Sachen TV und vor allem in Sachen Online?

Oliver Böhm: Was Online betrifft bin ich eher Digital Immigrant, als Digital Native. Da hab ich meine Hausaufgaben gemacht. Außerdem kann und konnte ich in der ORF-Enterprise auf eine Fülle von hochqualifizierten Mitarbeitern zählen – und das in allen Bereichen. Kernkompetenz der ORF-Enterprise ist die professionelle Vermarktung. Hier zählen Beratung und Verlässlichkeit, der Dienst am Kunden, Fleiß und Service. Am Ende stehen immer der Deal und Partnerschaft auf Augenhöhe

Werbeplanung.at: Mit Matthias Seiringer wurde vor rund zwei Jahren ein Teamleiter Online installiert. Hat sich die Konstruktion, die ja eine Aufwertung für den Onlinebereich bedeutete, bewährt? 

Oliver Böhm: Aus dem Teamleiter Online Matthias Seiringer wurde vor kurzem Verkaufsleiter Online. Mit einem Mitarbeiter und Kollegen wie ihm kann man nur zufrieden sein. Er macht seine Sache ausgezeichnet und führt mittlerweile ein Team von acht Digital Experten.

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