"Es wäre wünschenswert, dass die ePrivacy-Verordnung nicht die Fehler der DSGVO wiederholt.".

Phillip Pelz, Head of Sales Austria, UIM United Internet Media Austria GmbH, spricht im Interview mit updatedigital.at über die Trends in der Online-Vermarktung und zieht eine Bilanz für das 2018er-Jahr.

Phillip Pelz, Head of Sales Austria, UIM United Internet Media Austria GmbH © United Internet Media

updatedigital.at: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Online-Vermarktung im Jahr 2018 (Q1-Q3) bisher und mit welcher Prognose für das Gesamtjahr (im Vergleich zum Vorjahr) rechnen Sie?

Phillip Pelz: Wir sind gut ins Jahr gestartet. Allerdings hat das Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung im Markt Spuren hinterlassen. Der Grund war ein gewisser Grad an Unsicherheit, der auf die nicht eindeutige rechtliche Regelungen zurückzuführen war. Daraus resultierte – rund um den 25. Mai – eine verhaltene Investitionsbereitschaft. Budgets wurden teilweise deshalb in das dritte Quartal verlagert, was dann zu einem positiven Trend führte. Dieser setzt sich nun im vierten Quartal fort, wir rechnen trotz der Unsicherheit durch die DSGVO insgesamt mit einem guten Ergebnis für 2018.

 

updatedigital.at: Welche Trends konnten Sie in diesem Jahr feststellen?

Phillip Pelz:Neue Thematiken wie Blockchain und Künstliche Intelligenz werden heuer immer präsenter. Vieles davon ist noch Zukunftsmusik und im Bereich Werbevermarktung noch nicht praxistauglich. Doch in einzelnen Bereichen sind die Zukunftsthemen schon Realität. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Paketverfolgung auf unseren Portalen GMX und WEB.DE in Deutschland. Der vor kurzem gestartete Betatest ist der Startschuss für das Projekt „intelligentes Postfach“. Damit erweitern GMX und WEB.DE ihr Angebot um Funktionen, die die Organisation und Bedienung des Postfachs erleichtern.

 

updatedigital.at: Wie hat sich die DSGVO schlussendlich auf das Business ausgewirkt?

Phillip Pelz: Neben Verunsicherung und Zurückhaltung bei den Werbeinvestitionen, sorgt die DSGVO auch für Frustrationen auf Nutzerseite. Um die Einwilligungen der Nutzer, die sogenannten Opt-ins, einzuholen, tauchen nun im Netz praktisch überall Cookie-Laschen auf. Mit Folgen, wie die aktuelle Studie „Digital Dialog Insights“ von UIM und der Hochschule der Medien Stuttgart aufzeigt: Zwei Drittel der befragten Experten sind der Meinung, dass die DSGVO und die künftige ePrivacy-Verordnung die Generierung von Opt-ins erschweren. Die erschwerten Bedingungen für das Setzen von Cookies fördern Alternativen wie Login-basierte Lösungen mit damit verbundenen ID-basierten Möglichkeiten. United Internet hat gemeinsam mit ProSiebenSat.1 und RTL Deutschland die European netID Foundation initiiert. Die offene Stiftung bietet europaweit Unternehmen die Möglichkeit, sich dem sicheren und übergreifenden Log-in-Standard netID anzuschließen. Auf der Internet-Kongressmesse Dmexco hat die Stiftung ein Partnernetzwerk von 60 Unternehmen bekanntgegeben. Dazu zählen neben Otto und Zalando unter anderem die E-Commerce-Anbieter C&A, Conrad Elektronik, Douglas und der Paketdienstleister DPD sowie die Medienhäuser Süddeutsche Zeitung, SPIEGEL Gruppe, Gruner + Jahr und Scout24. Auch mehrere Vermarkter und Mediaagenturen haben sich dem Netzwerk angeschlossen.

 

updatedigital.at: Welche Erwartung haben Sie für 2019 in Punkto Volumen?

Phillip Pelz: Der digitale Werbemarkt wird sich insgesamt positiv entwickeln. Dabei erwarten wir ein beständiges Jahr im klassischen Geschäft, den sogenannten IO-Buchungen. Noch besser sieht es im Programmatic-Advertising aus: Hier rechnen wir mit einem weiterem ausgeprägten Wachstum der programmatischen Aktivitäten.

 

updatedigital.at: Haben wir alle wichtigen Themen besprochen?

Phillip Pelz: Der positive Schwung der zweiten Jahreshälfte wird sich 2019 fortsetzen. Für Erfolgsfaktoren wie der Personalisierung von Inhalten und Werbung ist es aber von zentraler Bedeutung, dass die digitale Werbebranche mit Nutzerdaten datenschutzrechtlich konform arbeiten kann. Der branchenübergreifende Login-Standard netID zeigt dabei, was die digitale Wirtschaft gemeinsam leisten kann. Hier freuen wir uns auf weitere konstruktive spannende Gespräche. Mittelfristig wäre wünschenswert, dass die geplante ePrivacy-Verordnung nicht die Fehler der DSGVO wiederholt.

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