Nächster Halt: Roboter-Busfahrer.

Autonomes Fahren kommt zunehmend in der Realität an – nun auch in Form selbstfahrender Busse, die die berüchtigte letzte Meile abdecken sollen.

Deutschland, Schweiz und Österreich experimentieren gleichemaßen mit autonomen Bussen. Das Fahrerlebnis ist denkbar unspektakulär – und daher reif für den Alltag. © Deutsche Bahn

Einsteigen, hinsetzen, Fahrt genießen und am Ziel wieder aussteigen – je nach Erwartungshaltung könnte man fast enttäuscht darüber sein, wie unspektakulär die Fahrt in einem autonomen Fahrzeug verläuft, in diesem Fall ein selbstfahrender Bus der Schweizer PostAuto. Doch genau dies zeichnet wohl auch die nahende Marktreife der Technologie aus: Die Fahrt mit den Öffis der Zukunft ist genauso unspektakulär wie reguläres Busfahren – und somit zunehmend alltagstauglich. Alltag, das heißt in diesem Fall: Die letzte Meile im öffentlichen Personennahverkehr bewältigen. Denn gerade in ländlichen Gebieten rentiert es sich oft nicht, schwach genutzte Strecken mit einem großen Bus zu befahren, der die meiste Zeit über leer ist – nicht verwunderlich also, dass dort das Auto noch immer ein unverzichtbares Verkehrsmittel ist.

Die autonomen Busse sollen dieses Dilemma lösen, indem sie selbständig ohne menschliche Hilfe die besagten Strecken befahren. Mit elektrischem Antrieb, also ohne lokale Emissionen, und einer fußgängerfreundlichen Maximalgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde. Pläne dazu gibt es nicht nur in der Schweiz, sondern auch bei der Deutschen Bahn. Diese will Mitte 2017 in Bad Birnbach, einem kleinen Kurort in Bayern, einen Praxisversuch durchführen. Warum sich gerade Bad Birnbach dafür so gut eignet: Das Ortszentrum liegt 2,5 Kilometer vom Bahnhof entfernt, bisher schickten die Hotels einen Shuttleservice oder bestellten den Gästen ein Taxi, der Linienbus fährt nur alle zwei Stunden.

Der autonome Bus soll diese Strecke nun abdecken – vorerst fährt er die Strecke regelmäßig ab; in Zukunft soll es möglich sein, den selbstfahrenden Shuttlebus vorab per App zu bestellen. Die Schweizer wiederum testen die autonomen Busse seit Juni 2016 in der Fußgänger- und Begegnungszone der Altstadt von Sitten im Kanton Wallis. Hier haben elf Fahrgäste im Fahrzeug Platz – ein Platz ist für einen Aufseher reserviert, der in heiklen Situationen eingreifen kann. Denn zwar gibt es im Fahrzeug weder Lenkrad noch Pedale, für Gefahrensituationen steht aber ein Notfallknopf zur Verfügung.

Nur mit Sondergenehmigung

Möglich ist der Pilotversuch in Sitten nur mit einer entsprechenden Sondergenehmigung, ähnlich wie in Österreich. Hier war im Herbst vergangenen Jahres ein selbstfahrender Minibus in der Stadt Salzburg unterwegs, ebenfalls vorerst nur zu Testzwecken und nur durch eine Sondergenehmigung des Verkehrsministeriums, welches diese seit Ende vergangenen Jahres vergibt. Laut Verkehrsministerium nutzen diese Testfahrten erstens der Industrie, um die neuen Technologien zu erforschen. Zweitens dienen sie dem Ministerium selbst dazu, Erkenntnisse über automatisierte Systeme im Straßenverkehr zu sammeln und darauf basierend eine rechtliche Regelung für selbstfahrende Autos in Österreich zu entwickeln.

„Wir haben als eines der ersten Länder Europas umfangreiche Tests auf unseren Straßen ermöglicht“, sagt Verkehrsminister Jörg Leichtfried: „Was wir aus diesen Tests lernen, ist die Basis für zukünftige Gesetze.“ Österreicher sind skeptisch Schließlich ist das die Zukuftsmusik, von der Hersteller und Marktforscher gleichermaßen träumen: Im US-Businessmagazin Forbes wurde jüngst prognostiziert, dass im Jahr 2020 rund zehn Millionen selbstfahrende Autos auf den Straßen sind, im Jahr 2030 soll ein Viertel aller Autos autonom fahren. Beim Bürger selbst ist die Euphorie hingegen noch nicht so groß: Laut einer österreischen Umfrage im vergangenen Jahr von Imas International halten es 44 Prozent für sehr unwahrscheinlich, dass sie sich in den kommenden zehn Jahren ein selbstfahrendes Auto kaufen werden.

Die autonomen Busse schaffen hier den Spagat: Die Vorteile der neuen Technologie, aber ohne Risiko und Anschaffungskosten für den Einzelnen. Die Tests laufen in Österreich laut Verkehrsministerium bis Ende 2018, dann werden weitere Schritte gesetzt. Noch vor dem Sommer 2017 startet eine Expertengruppe, die sich neben technischen auch mit rechtlichen und ethischen Fragestellungen beschäftigt. Autonomes Heeresfahrzeug Neben dem selbstfahrenden Bus im urbanen Bereich testen auch AVL und Magna in Österreich einen Autopilot mit automatischem Spurwechsel; zudem wurde dem Bundesheer der Test eines selbstfahrenden Heeresfahrzeugs erlaubt, welches autonom teleoperiert oder in einem autonomen Konvoi fahren darf – auf jeden Fall muss aber auch hier noch in jedem Fahrzeug ein Lenker sitzen.

intelliAd
19. September 2017

Amazon durchdringt fast alle Bereiche des digitalen Marketings und etabliert gerade E-Commerce-Marketing als eigene Disziplin analysiert …

Outline Pictures
21. November 2017

Der European Super Angels Club präsentierte ausgewählte Startups vor Investoren in Wien. Es geht um Investitionen in Millionenhöhe.

Events

Alle Events anzeigen »