Markus Heingärtner und Richard Hübner, dignit consulting: „Wir wollen Mutige als Kunden“.

Das Wiener Startup dignit consulting bietet Digital Transformation Consulting an. Was die beiden Gründer, Markus Heingärtner und Richard Hübner, darunter verstehen und warum eine Industrie 4.0 auch eine Organisation 4.0 braucht, erläutern sie im Interview mit Werbeplanung.at

Richard Hübner (links) und Markus Heingärtner, Gründer von dignit consulting: „In der Digital Transformation geht es ja darum, dass sich Unternehmen digitalen Technologien öffnen und dadurch ihre Geschäftsmodelle sowie Kunden- und Geschäftsprozesse hinterfragen. Hier sind wir drauf gekommen, dass das Digital Consulting aus 90 Prozent Transformation und zu zehn Prozent aus Digital besteht.“ © dignit consulting

Werbeplanung.at: Herr Heingärtner, Herr Hübner, Ihr neu gegründetes Unternehmen dignit consulting bietet Digital Transformation Consulting an. Was verstehen Sie darunter konkret?

Markus Heingärtner: In der Digital Transformation geht es ja darum, dass sich Unternehmen digitalen Technologien öffnen und dadurch ihre Geschäftsmodelle sowie Kunden- und Geschäftsprozesse hinterfragen. Hier sind wir drauf gekommen, dass das Digital Consulting aus 90 Prozent Transformation und zu zehn Prozent aus Digital besteht. Das heißt, dass Software oder digitale Technologien, der unter Anführungszeichen einfachere Teil ist, und der viel anspruchsvollere und wichtige Teil ist, die Mitarbeiter darauf vorzubereiten und eine neue Kultur zu etablieren, um die Technologie dann auch anwenden zu können.

Werbeplanung.at: Können Sie hier ein Beispiel nennen?

Heingärtner: Um es plastischer zu gestalten: Eine Software kann man schnell mal aussuchen, aber wir haben genügend Beispiele von großen Unternehmen die eine Software einführen und genutzt werden dann nur drei Prozent davon, weil man vorher mit den Mitarbeitern nicht richtig darüber geredet hat, was sie brauchen oder was sie wollen. Es gibt das Unternehmen Tele Haase mit circa 100 Mitarbeitern, die Ihre Organisation komplett umgestellt und völlige Transparenz hergestellt haben, was zum Beispiel Prozesse und Protokolle betrifft. Mitarbeiter können viel autonomer und selbstständiger entscheiden. Und was sie dort gesagt haben, und das halte ich für eine wichtige Aussage, ist, dass man für eine Industrie 4.0 auch eine Organisation 4.0 benötigt. Das heißt, dass man Führungskräfte braucht, die das so sehen und auch den Mut haben dies zu zulassen. Das heißt auch, dass man sagt, die Leute können mehr Teil haben. Informationen und Daten sind allgemein verfügbar und man hat eine Kultur, in der Mitarbeiter mehr an Entscheidungen teilhaben können und mehr zusammen arbeiten, auch über Abteilungen hinweg. Summa summarum ist das unser Blick auf Digital Transformation. Es hat sehr viel damit zu tun, zu schauen, was gibt’s bereits gutes, was funktioniert, wo sind Leute die Digital affin sind und wie können wir anfangen ins Tun zu kommen.

Werbeplanung.at: Im Zuge dessen ist es also notwendig, auch Strukturen im Unternehmen verändern?

Heingärtner: Ja. Ich denke schon, dass das mitunter notwendig ist. Aber diese Strukturen haben ja auch etwas geschaffen. Man muss das auch relativieren.

Werbeplanung.at: Welche Art von Kunden wollen Sie mit dignit consulting ansprechen?

Heingärtner: Die Mutigen.

Richard Hübner: Klassische Organisationen im Vergleich zu Startups, die einen Weg in Richtung Digitalisierung gehen möchten. Die wenigsten Kunden kommen zu uns und sagen „wir wollen jetzt in die Digitalisierung gehen“, sondern das beginnt mit „wir haben eine schlechte interne Kommunikation“, „unsere Social-Media-Aktivitäten sind nicht so wie wir uns das erwarten“ bis hin zu „wir brauchen neue Produkte oder einen neuen Umsatzbringer“. Es sind also die Bereiche: Interne Kommunikation, Innovation, Zusammenarbeit, Führung und auch allgemeine Geschäftsmodelle.

Werbeplanung.at: Bezüglich der Zielgruppe stellt sich dignit consulting also sehr breit auf?

Hübner: Was die Zielgruppe betrifft, sind wir breit aufgestellt, aber bei dem was wir tun, sind wir eher schmal aufgestellt. Es geht immer um die Verbindung zwischen digitalen Technologien und Unternehmenskultur.

Werbeplanung.at: Herr Heingärtner, Sie waren zuletzt Geschäftsführer von NZZ.at. Warum haben Sie mit dignit consulting gerade jetzt den Sprung in die Selbständigkeit gewagt?

Heingärtner: Wie so oft sind es Zufälle und Gelegenheiten. Sowohl der Richard, als auch ich, sind im Herbst zusammen gekommen und haben zu dem Zeitpunkt beide dort aufgehört wo wir vorher waren. Der Richard bei promitto und ich bei der NZZ.at. Ich habe ihn vor kurzem gefragt, wer eigentlich auf die Idee von dignit consulting kam und wir wissen es beide nicht so richtig (lacht). Die Idee kam aus unseren beiden Leidenschaften: Organisationsentwicklung und Kultur sowie alles Digitale. Das würden wir auch sehr gerne in Unternehmen hineintragen. Wir heben den Fokus auf das Potenzial, was digitale Technologien ermöglichen.

Werbeplanung.at: Wie kann dignit consulting Unternehmen bei den Herausforderungen des Digital Age behilflich sein, um das Potenzial der Digitalisierung voll auszuschöpfen?

Hübner: Die Idee zu dignit hat vor drei Jahren begonnen. Wir haben gemeinsam einen Workshop zum Thema „Sharing Economy“ an der WU Wien gestaltet und damals war Sharing Economy vor allem ein Thema auf Sharing-Plattformen. Wir waren einfach einer der ersten, die sich hingestellt haben und gesagt haben „lasst uns das mal in einer partizipativen Form diskutieren und sagen, was braucht es denn in einer Organisation, welches Mindset, welche Haltung, damit ich teile“. Da sind sehr interessante Aspekte ans Licht gekommen. Damit Teilen gut funktioniert braucht ein Ding oder eine Organisation eine Geschichte und diese Geschichte muss für digitale Technologien neu erzählt werden. Wir unterstützen Unternehmen dabei diese Geschichten zu entwickeln.

Heingärtner: Um am Beispiel interner Kommunikation zu bleiben. Noch einmal ganz konkret: Damit kommen Organisationen oft zu uns, da sie merken, dass die Kommunikation hinkt. Da gibt’s dann E-Mails, ein Task-Management-System und ein CRM, also unterschiedliche Abteilungen mit unterschiedlichen Systemen. Wenn man sich dann einmal über den Abteilungen zusammensetzt, ein Reporting machen muss oder sich nur über die Masse an E-Mail beschwert, kommt man drauf, das haut so nicht hin. In dem konkreten Fall sagt jemand „da ist ein Schmerz, aber wir wissen gar nicht genau woran das liegt“. Wir gehen dann rein und schauen uns die Themen an und sprechen mit den Menschen und versuchen das was hinter diesen Problemstellungen liegt an die Oberfläche zu holen. Wenn nun die E-Mails ein Problem sind, sagen viele „ok gut, wir versuchen Slack“, nur ist das der direkte Sprung zur Software. Jetzt muss man zuerst einmal fragen, was ist denn wirklich das Problem mit den E-Mails und was wollen wir überhaupt damit? Also zuerst muss man hinterfragen wo sind welche Interessen, wo welche Widerstände und wer hat welches Wollen dabei. Das muss man sich genauer anschauen, um danach herausfinden zu können was der Schmerz ist, wo man ansetzen muss und was man in der Organisation verändern muss, um am Schluss sagen zu können „ok, wir holen jetzt diese Software, das macht wirklich Sinn“. Da sehen wir unsere Rolle: Immer mit dem Blick auf die Organisation und die Interessen, aber immer mit Ausblick auf die digitalen Technologien. Wir versuchen nicht nur zu schauen, wie in einem Unternehmen gearbeitet wird, sondern auch die Sicherheit anzubieten, dass es gute Lösungen gibt.

Werbeplanung.at: Wie gehen österreichische Unternehmen grosso modo im internationalen Vergleich mit der Digitalen Transformation um? Wurden da Ihrer Meinung nach Entwicklungen versäumt? Oder ist Österreich in manchen Bereichen sogar in einer Vorreiterrolle?

Hübner: Es gibt keine vergleichbaren Daten, da das Thema Digitalisierung nicht definiert ist. Ist es eine Frage des Geschäftmodells, der Kundenprozesse oder der Effizienz interner Geschäftsprozesse, das lässt sich nicht unterschreiben. Das was uns ein bisschen aufwecken sollte ist, dass die Stadt Wien bei den globalen Startup-Hotspots nicht auftaucht. Das ist natürlich schon eine Frage des Innovationsmotors, in dessen Schatten dann ja auch etablierte Organisationen mitlaufen. Das wäre die einzige statistische Größe, die ich hier relevant finde. Auf der anderen Seite muss man sagen, wenn es Firmen hier gut geht und Innovationen vorhanden sind, dann haben sie nichts falsch gemacht. Und da wir ein sehr exportorientiertes Land sind, machen wir unsere Sache wohl nicht so schlecht. Bezüglich dignit consulting, kommen wir ja nicht als Krisenfeuerwehr, sondern als Unterstützer, um vorhandene Stärken in die Zukunft mitzunehmen. Auf seine Stärken kann man sich verlassen und es ist wichtig diese herauszuarbeiten. Und das ist bei jeder Organisation anders. Es gilt die Stärken herauszuarbeiten, wie das genau aussieht, ist dann das Ergebnis eines Prozesses.

Heingärtner: Insofern kann man sagen: Die Basis ist sehr gut und wir merken, dass das Interesse stark am Wachsen begriffen ist. Die österreichische Wirtschaft, wenn man das so sagen will, hat sehr gute Chancen mit dabei sein zu können.

Werbeplanung.at: Versäumt wurde in dem Sinn also noch nichts?

Heingärtner: Nein. Ich denke, die österreichische Wirtschaft hat noch alle Chancen.

Werbeplanung.at: Wie ist Ihr Startup bisher angelaufen und welche Ziele haben Sie sich für das Jahr 2016 gesetzt?

Hübner: Sehr gut. Für uns als junge Organisation ist ein Ziel natürlich eine gute Bekanntheit und da sind wir auf einem guten Weg. Und auch möglichst vielen Kunden das Potenzial und die Möglichkeiten zu bieten, die dignit bieten kann. Also sehr schnell ins Tun zu kommen und neue Wege zu gehen.

Heingärtner: Wir brauchen ja kein Umsatzziel anzugeben, das wäre ja langweilig. Wir würden gerne mit dem Interesse, welches jetzt kommt, Unternehmen bei neuen Produkten unterstützen, wo wir auch als Konsumenten sagen würden „super wie das gemacht ist, kaufe ich gern“. Das ist unser Anliegen: Unternehmen zu helfen Dinge besser zu machen und die Möglichkeiten zu nutzen, die es gibt.

Werbeplanung.at: Wie sieht die mittelfristige Vision von dignit consulting aus? Welche Pläne haben Sie für die nächsten zwei bis drei Jahre?

Heingärtner: Da sind wir wie jedes Startup: Wir haben keine Ahnung wie es in zwei Jahren sein wird. Aber grundsätzlich treibt uns das Bestreben und die Lust an, das Potenzial und die Qualität in Unternehmen zu heben und Dinge möglich zu machen. Ich kann auch nicht sagen, ob wir größer werden oder nicht. Das Ziel ist die Lust es zu tun und eine Organisation dorthin zu bekommen, dass man sagen kann „da würde ich selbst gerne arbeiten“. 

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