Yaser Bishr, Al Jazeera: „Wir müssen dort sein, wo unser Publikum ist“.

Die Keynote am zweiten Tag der österreichischen Medientage bestritt Yaser Bishr, Executive Director of Digital bei Al Jazeera. Seine Botschaft an die Medienhäuser: „Transform or die.“

„Es ist falsch, dass Millenials kein Interesse an Nachrichten haben“, sagt Yaser Bishr, Executive Director of Digital bei Al Jazeera. Die Art, wie diese aufbereitet würden, mache den Unterschied.   © Johannes Brunnbauer

Um auch in Zukunft am Medienmarkt relevant zu bleiben, müsse man sich verändern und zwar grundlegend, ist der Digital-Director des TV-Netzwerkes überzeugt. „Wir haben die Lektion von den Zeitungen gelernt: Verändern sie sich schnell und hören sie auf, die Augen vor der Realität zu verschließen“, drückt er bei den Österreichischen Medientagen (20. bis 21. September 2016) es aus. Dementsprechend müssten sich alle die Frage stellen: „Wie sind wir im Zeitalter von Facebook erfolgreich?“ Al Jazeeras Antwort darauf war vor zwei Jahren das Fernsehformat AJ+. Dahinter steht ein multikultureller, junger Newsroom in San Francisco, der Nachrichten aus der Perspektive der Millenials erzählen soll. Bishr sagt ganz klar: „Es ist falsch, dass Millenials kein Interesse an Nachrichten haben.“ Es komme immer nur auf die Art und Weise an, wie sie erzählt werden. Denn herkömmliche Nachrichten, wie es sie seit Jahrzehnten gäbe, würde vor allem Junge nur mehr langweilen.

Inhalte freigeben und Kanäle richtig bespielen

Gesendet wird dementsprechend auf vielen unterschiedlichen Kanälen, aber nicht auf der eigenen Website - die gibt es nämlich gar nicht. „Wir müssen dort sein, wo unser Publikum ist“, führt er aus. Medienunternehmen müssen sich laut Bishr davon verabschieden, die Kontrolle über ihre Inhalte haben zu wollen. „Sie müssen riskieren, dass ihr Inhalt auf anderen Plattformen verwendet wird. Aber Sie müssen eine klare Strategie haben, auf welchen Plattformen sie sein möchten.“ Um die Transformation durchzuführen, sollten Medienunternehmen ganz bei ihren Wurzeln beginnen: „Traditionelle Nachrichtenunternehmen sollten immer zuerst an den Content denken, und nicht daran, warum sie etwas machen. Sie sollten sich darüber Gedanken machen, was ihre Identität ist und was sie ausmacht.“ Für AJ+ identifizierte Bishr mit seinem Team zu Beginn fünf Schlüsselwörter, mit denen sie ihr Publikum ansprechen wollen: „empower (ermächtigen), defy (sich widersetzen), engage (sich beteiligen), experience (erfahren) und inspire (inspirieren).“

Wichtigste Währung sind nicht mehr Views, sondern Beteiligung

Die wichtigste Währung im Netz ist für den Digital Director bei Al-Jazeera sind daher auch nicht Views, sondern die Beteiligung der User. Denn für Bishr ist das bisherige digitale Erlösmodell tot. Dementsprechend sagt er: „Ich verwehre mich, Werbung auf AJ+ zu stellen.“ Würde man sich die Werbeerlöse weltweit ansehen so wird schnell klar, dass die Gewinner nicht die Medienhäuser seien, führt Bishr weiter aus: „Nur 12 Unternehmen teilen sich weltweit 50 Prozent der digitalen Werbeinnahmen aus, wir bewegen uns dabei unter ferner liefen. Wir müssen also einen anderen Weg finden.“

Klaus Ranger
25. Mai 2017

Österreichs Haushalte empfangen Fernsehen via Satellit und Kabel. Programme werden mehrheitlich in HD-Qualität konsumiert. IPTV wächst …

bedrck
22. Mai 2017

Der Score 54 Verlag, der das Golfmagazin Perfect Eagle herausgibt, erweitert mit einer App den Nutzungs- und Verbreitungsraum des …

Events

Alle Events anzeigen »