Wie Content gelesen und dessen Verweildauer erhöht wird.

Digitale Medien tragen zur sinkenden Aufmerksamkeitsspanne bei Medien-Nutzern bei. Was Publisher dagegen tun können, weiß Tickaroo.

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Die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen nimmt kontinuierlich ab und auch die Konzentration in Bezug auf das Leseverhalten hat sich verändert. Vor allem der Gebrauch von digitalen Medien trägt in hohem Maße zu dieser Entwicklung bei. Eine Folge ist, dass Konsumenten bereits schneller darin geworden sind, Inhalte zu filter und zu bewerten. Hinzu kommt, dass Online-Content generell anders gelesen wird als Texte auf Papier.

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So die Diagnose des deutschen, auf Live-Content-Technologie spezialisierten Unternehmens Tickaroo. Deren Gründerin und CEO, Naomi Owusu, liefert im folgenden Gastbeitrag Ansätze, wie Publisher diese Rezeptionsbedingung nutzen können, um die Verweildauer für ihre Content-Formate zu erhöhen. 

"In Zeiten des Internets liest kaum noch jemand einen Online-Text Wort für Wort. Eine Studie der Nielsen Norman Group ergab, dass der Blick in den meisten Fällen in Form eines F über Texte fährt. Was bedeutet das genau? Leser schenken zunächst der ersten Zeile ihre Aufmerksamkeit, springen dann zu einem späteren Absatz, vom dem sie meist lediglich eine Zeile lesen und widmen sich anschließend nur noch den Anfangsworten der weiteren Text-Reihen. Ein derartiges Lese-Verhalten wäre in Bezug auf ein Buch beinahe undenkbar. Eine ähnliche Beobachtung macht eine Studie der Universität Hamburg: Dort stellte sich zudem heraus, dass die Verweildauer auf Webseiten selten länger als zehn Sekunden dauert. Es ist im Internet somit noch schwieriger, Leser für einen Text zu begeistern, zu einer genaueren Auseinandersetzung mit Inhalten zu animieren und zudem auf der Webseite zu halten. 

Mehr Aufmerksamkeit: Was Berichterstattung von der F-Form lernen kann

Aus dem F können folgenden Erkenntnisse gewonnen werden: Der Großteil der Leser wird nicht den gesamten Text lesen - vor allem nicht Wort für Wort. Um das Interesse von Lesern zu wecken, sollten daher die wichtigsten Informationen in den ersten beiden Absätzen vorkommen. Hier herrscht das 'Prinzip der abnehmenden Wichtigkeit', was bedeutet, dass die wichtigsten Inhalte an den Anfang und weiter Details später im Text vorkommen sollten. Da Leser, wie bereits erwähnt, die ersten Worte eines Absatzes wahrnehmen, ist es zudem von Vorteil, wenn Absätze, Untertitel und Stichpunkte informationstragend sind, also mit aussagekräftigen Wörtern beginnen. Auf diese Weise steigern Publisher die Aufmerksamkeit und sorgen für gesteigertes Leser-Interesse.

Leser auf den ersten Blick: Das multimediale Lese-Erlebnis zählt

Auch die Gestaltung der Webseite spielt eine große Rolle dabei, ob der Konsument weiter auf der Seite bleibt und sich mit den Inhalten beschäftigt oder eben nicht. Elementar dafür ist ein gute optische Struktur der Seite. Ebenfalls sollte dabei auf eine klare Farbgestaltung, gut lesbare Typografie und inhaltsunterstützende Bilder, Grafiken und Videos geachtet werden. Wichtig ist, nicht nur einen Text zu liefern, sondern ein multimediales Erlebnis, das die Zielgruppe fesselt. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, Überschriften, das Hauptbild und weitere interessante Details so zu wählen, dass sie Lust auf mehr machen. Eine schöne Möglichkeit sind GIFs, Info-Grafiken, die Texte auflockern.

Content is King

Ohne ansprechenden Content ist auch eine noch so perfekt gestaltete Webseite nutzlos. Um die Aufmerksamkeit von Lesern zu gewinnen und die Verweildauer zu erhöhen, sollten sowohl der gesamte Text als auch die einzelnen Sätze eher kurz gehalten werden. Zudem sollte auf Fachjargon und Schachtelsätze verzichtet werden, da sie Leser nur verwirren. Ebenso ist es ratsam, für jeden neuen Inhalt einen neuen Absatz zu verwenden. Darüber hinaus sind Objektivität und der Gebrauch möglichst vieler aktiver Verben, die den Text lebendiger machen, von Vorteil. Damit sich Leser einen schnellen Überblick verschaffen können, sollten zudem wichtige Inhalte im Text hervorgehoben werden. Durch beispielsweise Fettdruck. Auch Links zu anderen Beiträgen oder Webseiten haben Einfluss auf die Attraktivität des Inhalts, wenn sie einen Mehrwert bieten.

Zum Bleiben einladen: Mit Live-Content die Verweildauer steigern 

Für Publisher ist die Verweildauer bei Webseiten das Maß aller Dinge, und auch Anbieter von Werbeformaten müssen sich dieser Entwicklung fügen. Live-Content-Tools werden für die Verbesserung der User Experience und zur Steigerung der Verweildauer einen immer größeren Einsatz finden. Denn sie versorgen Medien-Nutzer mit prägnant zusammengefassten Inhalten in Echtzeit und stillen damit das Bedürfnis nach möglichst aktuellen und auf den Punkt gebrachten Informationen. In Kombination mit herkömmlichem Content wird auf diese Weise Interesse geweckt.

Fazit: In der heutige Zeit wird es immer schwieriger, Konsumenten Inhalte zu bieten, die sie wirklich fesseln. Ein Text muss nicht nur gut geschrieben sein, er muss zudem weitere Merkmale aufweisen, die potenzielle Leser dazu motivieren, sich näher mit den Inhalten zu befassen. Das Gesamtkonzept aus textlichen, multimedialen Inhalten muss ein perfektes Ganzes ergeben. Vor allem die Live-Berichterstattung sorgt dafür, dass Leser zunächst einmal auf eine Webseite gelangen und im besten Falle, dank einer ansprechenden Gestaltung und weiterer Faktoren, dort verweilen." 

Naomi Owusu, CEO und Co-Founder des in Regensburg ansässigen Unternehmens Tickaroo. Sie ist dort vor allem für Business Growth, Strategie und Skalierung zuständig.