"Pro Woche verbuchen wir 4.000 neue Registrierungen".

Die vorhandenen Job- und Karriere-Plattformen sind verbesserungswürdig, findet Nicolas Vorsteher, CEO von MercuryPuzzle. Wie sein virtuelles Assessment Center genau funktioniert, erzählt er im Gespräch mit Werbeplanung.at

"In Österreich gab es immer schon viele Gründer, aber vor allem die internationale Relevanz wird immer besser", sagt Nicolas Vorsteher, CEO MercuryPuzzle. © Nicolas Vorsteher (Foto: MercuryPuzzle) Werbeplanung.at

Werbeplanung.at: MercuryPuzzle.com bietet ein virtuelles Assessment Center für User, das deren Persönlichkeit analysiert und passende Berufsumfelder vorschlägt. Durch welche Features unterscheidet sich die Plattform von anderen Karriere-Netzwerken?

Nicolas Vorsteher: Die momentan verfügbaren Karriere-Netzwerke und Job-Plattformen stellen kein Optimum dar. 60 Prozent aller Online-CV's sind nicht aktuell und oder falsch. Es fehlt die objektive Komponente, die eine Person an sich wiederspiegelt. MercuryPuzzle gibt dem User ein persönliches Profil. Er kann sich in verschiedenen, spielerischen und wissenschaftlich fundierten Persönlichkeitstest selbst evaluieren, seine Soft-Skills als auch Hard-Skills entdecken, seine Typologie definieren, sich mit seinen Kontakten messen und vergleichen. Basierend auf diesen Informationen können Nutzer optimal passende Jobs, Unternehmen und Weiterbildungsmöglichkeiten finden, beziehungsweise diese finden sie. Darüber hinaus werden ihnen ähnlichen Personen vorgeschlagen, mit denen sie sich vernetzen, austauschen und anhand der Karrierelaufbahnen orientieren können.

Werbeplanung.at: Auf welchen Grundlagen basieren die Fragen, welche die User beim Assessment Center und den verschiedenen Tests gestellt bekommen?

Nicolas Vorsteher: Mithilfe von Partnerfirmen wie dem Assessment-Hersteller Cut-e und Confidence Consult wurde ein virtueller Assessment-Prozess entwickelt, der basierend auf patentierten Persönlichkeitstests das Talent eines Users aussagekräftig und tiefgreifend evaluiert. Die patentierte Technologie aller Tests existiert bereits seit mehr als zehn Jahren, wurde aber bis dato noch nicht gratis veröffentlich und derart umgesetzt.

Diverse Eigenschaften, wie Initiative und Verantwortung, Ergebnisorientierung, Strukturiertheit, oder Führungsstärke werden durch den Nutzer bewertet und mit den bisher gesammelten Daten in einer Normalverteilung verglichen. Je größer die Datengesamtheit, desto größer die Validität der Testergebnisse. Durch unsere Kooperation mit Cut-e haben wir eine Datengesamtheit von mehr als 20 Millionen gemachten Tests, dementsprechend valide sind unsere Ergebnisse. Weltweit gibt es nur zwei bis drei Provider, die da mithalten können.

Werbeplanung.at: Welche Zielgruppe wollen Sie mit MercuryPuzzle.com ansprechen?

Nicolas Vorsteher: Auf Kandidaten-Seite sind es vor allem Studenten, Absolventen, Young Professionals und demnächst auch Schüler. Bei den Kunden wenden wir uns primär an Recruiter, Personalberater, KMUs und Big Player aus fast allen Bereichen.

Werbeplanung.at: Das Assessment Center sowie die verschiedenen Tests nehmen doch einige Zeit in Anspruch. Besteht hier nicht die Gefahr, dass viele User durch diesen Zeitaufwand abgeschreckt werden?

Nicolas Vorsteher: Das haben wir am Anfang auch gedacht. Deswegen wollten wir den Prozess möglichst spielerisch mit Anreiz auf mehr aufbauen, etwa durch Levels oder Details, die man sich freischalten kann. Nach den ersten Tests waren wir verblüfft, wie viele den kompletten Prozess gemacht haben, beziehungsweise wie viele Leute zurück auf die Plattform gekommen sind und alles fertig gemacht haben.

Werbeplanung.at: Das Portal ist am 25. März 2013 an den Start gegangen, wie haben sich die User-Zahlen bislang entwickelt?

Nicolas Vorsteher: Wir hatten im vergangenen Monat 60.000 Unique Vistors, 40.000 haben das Interview vor der Registrierung gemacht. Fast 20.000 haben sich registriert und zirka 12.000 haben bis dato den kompletten Prozess durchgemacht. Pro Woche haben wir momentan 4.000 neue Registrierungen, Tendenz steigend.

Werbeplanung.at: Auf welche Weise garantieren Sie den Usern die Sicherheit ihrer Daten?

Nicolas Vorsteher: Wir verwenden die modernsten Web-Standards, aktualisieren diese auch ständig. Es war uns von Anfang an immer wichtig, die Anonymität und Sicherheit der Daten unserer User zu garantieren. Er kann deshalb auch bei jedem Schritt die Privacy-Settings nach seinen Belieben einstellen.

Werbeplanung.at: Das Start-up verfügt über sechs Co-Founder. Wie hat sich das Team von MercuryPuzzle eigentlich gefunden?

Nicolas Vorsteher: Gemeinsam mit Constantin Wintoniak und Robert Rainer habe ich schon während des Gymnasiums viel auf die Beine gestellt. Im Studienalltag haben wir bemerkt, dass es keine relevante Plattform gibt, um Studenten und Young Professionals bei der Suche nach den optimalen Karrierelaufbahnen zu unterstützen. Die Plattformen, die es gab, konnten aufgrund der fehlenden objektiven Komponente den Nutzern keine gleichen Chancen bieten. Zusätzlich habe ich damals bei Heads! in München, einem Executive Search Berater, gearbeitet und dort viele Interviews mit Kandidaten geführt. Diese haben mir gezeigt, wie wichtig die Person an sich bei der Auswahl von richtigen Kandidaten für ein Unternehmen ist. Nachdem wir meinem ehemaligen Chef unsere Idee präsentiert hatten, ist dieser sofort als Business Angel eingesprungen. Mit Alexander Birke und Dominik Hacklzwei haben wir zwei Freunde und gute Programmierer aus unserer Heimatstadt eingeladen, um das große Projekt gemeinsam zu stemmen. Heute sind wir ein neunköpfiges Team in Wien und haben in der Schweiz und Deutschland jeweils zwei Mitarbeiter.

Werbeplanung.at: Wie wird MercuryPuzzle finanziert?

Nicolas Vorsteher: Mathias Hiebeler, Partner von Heads!, ist unser Business Angel. Die Finanzierung beläuft sich auf 250.000 Euro. Wir sind aber schon am besten Weg, uns selbst zu erhalten.

Werbeplanung.at: Sind bereits zusätzliche Features für MercuryPuzzle geplant, von denen Sie uns berichten können?

Nicolas Vorsteher: Die Plattform wird ständig weiterentwickelt. Wir werden demnächst weitere Assessments einbauen, weil es schon viel Anfragen danach gegeben hat. Die Ergebnisdarstellung wird ausgebaut und vielleicht auch ein kleines Messaging-System integriert. In Kürze man sich auch einen ausführlichen, zertifizierten Assessment-Report downloaden. Für Recruiter wird bald die eigenständige Jobanlage ermöglicht. Außerdem wird unsere Matching-Technologie durch die Analyse von verfügbaren Social-Media-Daten noch genauer werden. Dafür werden wir demnächst ein eigenes internationales Forschungsprojekt mit neuen Partnern starten. Es stehen einige internationale Kooperationen ins Haus, die unter anderem viele neue Jobs und Unternehmen mit sich bringen. 

Werbeplanung.at: Die Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu.com wurde im Jänner 2013 von der Xing AG ganzheitlich übernommen. Ist eine solche Entwicklung auch bei ihrem Portal denkbar?

Nicolas Vorsteher: Mal sehen. Man sollte solche Aktionen nicht planen aber auch nicht ausschließen. Wir lassen es immer auf uns zukommen und entscheiden dann im Team. Momentan sind wir alle mehr als glücklich, so etwas aufbauen zu können.

Werbeplanung.at: Im Rahmen des Pioneers Festivals wurde MercuryPuzzle in die Top 8 von 850 internationalen Startups gewählt. Wie beurteilen Sie den Stellenwert der österreichischen Start-up-Szene im internationalen Vergleich?

Nicolas Vorsteher: In Österreich gab es immer schon viele Gründer, aber vor allem die internationale Relevanz wird immer besser. Man sieht, wie sich runtastic, kochAbo oder busuu international entwickeln. Sowas gibt natürlich unserer Szene noch mehr Schwung. Ich bin der Meinung in Österreich gibt es viele motivierte und fähige Menschen mit genialen Ideen. Die Rahmenbedingungen, vor allem das Geld, waren oftmals ein Spielverderber. Durch einige Initiativen wird dagegen aber erfolgreich angekämpft und unsere großen, konservativen und heimischen Finanzkräfte kommen auch langsam auf den Geschmack. Wir sollten uns aber noch stärker von der Kultur des Scheiterns und der Neider abgrenzen, um noch mehr Ideen-Spinnern die Angst zu nehmen, ihre Ideen umzusetzen.

Werbeplanung.at: Gibt es einen Tipp, den sie anderen Start-ups aus Österreich auf den Weg geben können?

Nicolas Vorsteher: Niemals aufhören, immer weitermachen und von niemandem aus der Bahn bringen lassen. Learn from yesterday, live for today, hope for tomorrow!

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