"Wir wollen uns nicht auf die reinen Zahlen verlassen.".

Jochen Schneeberger ist seit Anfang Dezember 2012 bei Willhaben.at tätig und baut dort die Abteilung Online Sales komplett neu auf. Im Interview mit Werbeplanung.at erzählt er über kreative Werbemittel und was er sich von seiner neuen Marktanalystin erhofft.

Jochen Schneeberger, Leiter der Abteilung Online Sales bei willhaben.at: " Im Verkauf haben wir von vier auf neun Mitarbeiter aufgestockt, zwei weitere folgen noch." © Schneeberger Jochen Werbeplanung.at

Werbeplanung.at: Wie haben sich die Zugriffszahlen von Willhaben.at im letzten Jahr entwickelt?

Jochen Schneeberger: Willhaben.at verfügt laut jüngster ÖWA Plus-Messung über eine Reichweite von 25,8 Prozent, Tendenz steigend. Momentan werden knapp 1,7 Millionen Items auf der Plattform gehandelt, im Schnitt werden täglich 50.000 neue Items auf willhaben.at geladen. Bei den Page Impressions sind wir mit über 500 Millionen die Nummer eins in Österreich. Vor zehn Jahren hat jeder über eBay gesprochen, heute belegen uns Monitoring-Tools, dass wir in Österreich größer sind als eBay. Vor drei Jahren haben sich manche diese Entwicklung zwar erhofft, aber nicht wirklich erwartet. Derzeit ist noch nicht absehbar, wann das Ende der Fahnenstange erreicht ist aber der Blick auf die skandinavischen Länder zeigt, dass hier noch sehr viel Wachstumspotential vorhanden ist.

Werbeplanung.at: Sie haben angekündigt, die Werbeeinnahmen von Willhaben 2013 verdoppeln zu wollen. Wie planen Sie, diese hohe Vorgabe zu erreichen?

Jochen Schneeberger: Zum einen wollen wir dieses Ziel mit mehr Personal erreichen. Im Verkauf haben wir von vier auf neun Mitarbeiter aufgestockt, zwei weitere folgen noch. Wir setzen auch auf professionelle Verkaufsschulungen nach skandinavischem Vorbild. Wir wollen außerdem die Endkunden direkt ansprechen, was im digitalen Markt in dieser Form bis jetzt noch nicht durchgeführt wird. Wir verlassen uns nicht nur auf den Zuspruch von Agenturen, die Zusammenarbeit mit Vermarktern haben wir eingeschränkt. Damit wollen wir die Kostenwahrheit wieder stärker ins Blickfeld bekommen. Der Kunde soll bei uns ganz klar im Zentrum stehen. Mit der Hervorhebung des Servicecharakters wollen wir auch das Vertrauen in digitale Medien stärken, was wiederum den Zuspruch für unsere Seite erhöht.

Werbeplanung.at: Wie kommen Sie eigentlich an neues Personal?

Jochen Schneeberger: Wir hatten uns erhofft, auf einen Pool aus erfahrenen Digital-Leuten zurückgreifen zu können. Aber diesen Pool gibt es nicht. Der Markt hat hier die letzten zehn Jahre nichts getan und keinerlei Aufbauarbeit geleistet. Zuletzt haben wir einen Mitarbeiter aus dem Printbereich geholt, dem wir jetzt gemeinsam die digitale Welt nahebringen. Das ist zwar aufwendig, funktioniert aber sehr gut.

Werbeplanung.at: Sie haben für Bettina Schatz die neue Position der Marktanalystin geschaffen. Was erhoffen Sie sich von diesem Schritt?

Jochen Schneeberger: Wir wollen uns nicht alleine auf die reinen Zahlen verlassen, die man etwa von der ÖWA bekommt. Wenn wir dem Kunden eine gute und exakte Dienstleistung bieten wollen, brauchen wir mehr als reine Daten und Fakten. Bettina Schatz interpretiert Zahlen für uns, ist bei Umfragen dabei, macht Themenabfragen und unterstützt so die Argumentationsschienen für den Verkauf. Ich kenne niemanden im Digital-Bereich, der dies bis jetzt versucht hat.

Werbeplanung.at: Wie viele Mitarbeiter sind derzeit bei Willhaben.at angestellt?

Jochen Schneeberger: Derzeit haben wir 60 Mitarbeiter, damit gehören wir zu den größten Internetfirmen Österreichs.

Werbeplanung.at: Welche Trends sehen sie im Online-Advertising Bereich?

Jochen Schneeberger: Wir sehen vor allem Chancen im mobilen Geschäft. Smartphones und Tablets werden immer mehr ins Zentrum rücken, weil das mobile Geschäft in der Nutzung bereits einen hohen Stellenwert hat. Wir haben in Österreich bei Tablets und Smartphones schon jetzt eine gute Durchdringung. Warum das der Werbemarkt bislang nicht wahrnimmt, weiß ich nicht. Wir wollen hier gegensteuern und jedem unserer Kunden eine mobile Werbemöglichkeit schaffen, von der Erarbeitung des Werbemittels bis zur Landingpage.

Werbeplanung.at: Sie haben angekündigt, im Bereich Mobile neue Kommunikationslösungen zu entwickeln. Gibt es hier schon konkrete Projekte?

Jochen Schneeberger: Die Entwicklung läuft gerade. Bis Ende Juni 2013 werden wir eine komplett neue Willhaben.at-App implementiert haben. Mit der Anwendung soll es den Usern möglich sein, Anzeigen mit mobilen Geräten aufzugeben. Wenn man etwa einen Gegenstand sieht, den man nicht mehr braucht, kann man diesen mit dem Smartphone fotografieren und direkt auf unsere Plattform stellen. Wir arbeiten hier mit Partnern zusammen, versuchen aber, das meiste bei uns im Haus umzusetzen.

Werbeplanung.at: Auch die fLex Ad ist eine Ihrer Eigenentwicklungen. Wollen Sie in Zukunft weitere Werbemittel entwickeln?

Jochen Schneeberger: Absolut. Die Entwicklung von Werbemittel im eigenen Haus ist für uns ein riesen Standbein. Relativ neu ist etwa die Fake Ad, eine Werbeeinschaltung, die nicht gleich als eine solche wahrgenommen wird. Auf den ersten Blick wirkt die Fake Ad wie eine normale Anzeige. Wenn der User diese anklickt, wird er zu einer Landingpage weitergeleitet. Auf diese Weise können wir den User direkt in seinem Interessensgebiet abholen.


Fake Ad

Die Fake Ad (der farblich markierte Bereich) von Willhaben.at ist auf den ersten Blick nicht als Werbeanzeige zu erkennen.


Werbeplanung.at: Welchen Stellenwert haben klassische Werbeformen wie Printanzeigen oder TV-Spots für Ihre Plattform?

Jochen Schneeberger: In erster Linie spielt für uns TV eine Rolle. Ende März starten wir wieder eine TV-Kampagne, die im Vorjahr bereits zweimal erfolgreich umgesetzt wurde. Den Printbereich werden wir vereinzelt auch mitnehmen, wir leben ja immer noch in einem Printland.

Werbeplanung.at: Wo liegen eigentlich die Vorteile einer Online-Plattform gegenüber traditionellen Anzeigenblättern?

Jochen Schneeberger: Das kann man überhaupt nicht miteinander vergleichen, weil wir viel diversifizierter sind. Allein unser Marktplatz verfügt über 20 Unterkategorien. In Anzeigenblättern gibt es außerdem eine begrenzte Zeichenanzahl und bei den wenigsten Anzeigen werden Bilder angefügt. Bei einer Online-Plattform gibt es diese Einschränkungen nicht.

Werbeplanung.at: Welche Ziele haben Sie sich für das kommende Jahr gesetzt?

Jochen Schneeberger: Wir wollen am österreichischen Online-Werbemarkt drei Prozent Market share erreichen, das ist in diesem Jahr sicher unsere Hauptarbeit. Die Awareness, die Willhaben.at unter den privaten Nutzern hat, müssen wir auch auf dem Werbemarkt erlangen.

Werbeplanung.at: Wo sehen sie dabei die größten Schwierigkeiten?

Jochen Schneeberger: Die größte Schwierigkeit ist sicher, Willhaben.at als guten und verlässlichen Werbepartner zu etablieren. Unsere Plattform ist ein relativ neues Digital-Produkt und alles was neu ist, wird in Österreich bekanntlich mit großer Vorsicht bedacht. Wir haben hier viel Erklärungsarbeit zu leisten, mit einem Printprodukt hätten wir dieses Problem sicher nicht. Es liegt in unserer Hand, dem Werbemarkt klarzumachen, welche Möglichkeiten wir bieten.

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