Escape Velocity: Virtual Reality aus Sicht von Flüchtlingen.

Escape Velocity ist eine interaktive Virtual Reality Erfahrung, die das Publikum in die Rolle(n) von vier Flüchtlingen versetzt, die gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen, und die schließlich in Wien gelandet sind. Das Publikum erlebt die sehr persönlichen Geschichten dieser geflüchteten Menschen aus deren Perspektive - gefilmt in stereoskopischem 3D und präsentiert in VR.

Virtual Reality aus Sicht von vier Flüchtlingen © Escape Velocity

Viele Menschen nehmen die sich in Europa aufhaltenden Flüchtlinge als einen namenlosen, gesichtslosen Mob wahr, der ihre Lebensweise und ihre (soziale) Sicherheit bedroht. Die Initiative „Escape Velocity“ möchten dazu beitragen, diese Wahrnehmung zu ändern, indem man dem Publikum sprichwörtlich vor Augen führt, dass diese geflüchteten Menschen genauso individuell, komplex und „real“ sind wie jeder andere Mensch auch. Sie haben sehr wohl Namen und Gesichter. Und sie haben überaus interessante Geschichten zu erzählen.

Virtual Reality wird oft als „Empathie-Maschine“ bezeichnet. „Wir glauben, dass VR das perfekte Medium ist, um unser Ziel zu erreichen. Die VR Brillen sorgen dafür, dass man im wahrsten Sinne des Wortes durch die Augen von jemand anderem sehen kann - bis man völlig absorbiert wurde und schließlich vergisst, dass man „nur“ in eine fremde Haut geschlüpft ist. Man wird vorübergehend zu einem anderen Menschen. Und genau in diesem Moment können wir als Geschichtenerzähler die maximale Wirkung erzielen“, so die Organisatoren gegenüber updatedigital.at.

Vier Geschichten

Jede der vier Geschichten - oder Episoden – ist in sich abgeschlossen und über einen interaktiven Hub auswählbar. Inhaltlich und stilistisch unterscheiden sich die Geschichten sehr stark voneinander, da jede von einer/einem anderen RegisseurIn inszeniert wird, die/der einen ganz eigenen Zugang zu VR und dem Geschichtenerzählen im Allgemeinen hat.

Junge Römer agiert als Produktionsfirma, stellt Ausrüstung und Crew (DOP, Cutter, Sound- und Lichttechniker, etc.) zur Verfügung, und gewährt den RegisseurInnen sowie den Geflüchteten völlige kreative Freiheit. Das Projekt wird in Form einer App für VR Systeme wie Oculus Rift und Samsung Gear im ersten Quartal 2018 für die breite Öffentlichkeit erscheinen.

Jihads Geschichte

Jihad Al-Katib (29) ist ein Schauspieler, der 2005 aus Palästina nach Österreich geflüchtet ist. Oft wird er „Marcello“ genannt, da er dem brasilianischen Fußballspieler so ähnlichsieht. Allerdings bevorzugt er seinen echten Namen - obwohl er es mit dem nicht immer ganz einfach hat.

Jihad’s Geschichte wird auf einer Theaterbühne inszeniert, Bühnenbild und Ausstattung werden betont minimalistisch angelegt. Die Performance dreht sich um einen zentralen Monolog, vorgetragen von Jihad, dem Schauspieler, der über sich selbst spricht. Er erzählt von der Art und Weise, wie die Menschen ihn betrachten - beurteilen sie ihn nach seinem Charakter oder eher nach seinem Namen?

„Meine Eltern haben mir gesagt, mein Name bedeutet, dass ich für die beste Version von mir selbst als Mensch kämpfe“, sagt Jihad auf der Bühne - und: „Wir sind schon der Name, den wir tragen, aber wir sind nicht für dessen Fehler verantwortlich.“

Regie: Florian Binder

Baharaks Geschichte

Baharak (8) is ein junges Mädchen, das mit den Eltern aus dem Iran geflohen ist. Während ihr Deutsch schon ziemlich gut ist, verstehen und sprechen ihre Eltern nur wenige Worte. Deshalb muss Baharak ständig als Dolmetscherin einspringen.

Ihre Geschichte wird in Form eines fiktionalisierten Kurzfilms erzählt. Die Geschichte beginnt in einem Spielzeugladen, wo Baharak gerne hätte, dass ihre Eltern ihr eine Puppe kaufen. Diese jedoch leisten ihrem Wunsch nicht Folge, weshalb Baharak von nun an beschließt zu schweigen. Bei dem anschließenden Arztbesuch wird dieses Schweigen zu einem großen Problem. Der Arzt müsste Baharaks Mutter, die schwanger ist, dringend erklären, dass sie und ihr Ungeborenes in Lebensgefahr schweben - aber Baharak schweigt…

Diese Geschichte über Sprachbarrieren und den Druck, der häufig auf jüngeren Geflüchteten lastet, die eine neue Sprache schneller zu erlernen in der Lage sind, als ihre älteren Verwandten, wird von dem Dramaturgen Amirabbas Gudarzi inszeniert, der selbst 2009 aus dem Iran flüchten musste.

Emrans Geschichte

Emran ist im Oktober 2015 mit der großen Flüchtlingswelle von Afghanistan nach Österreich gekommen. Er ist in Wien geblieben, weil hier keine Bomben explodieren. Wie sieht sein neues Leben zwischen Afghanistan und Österreich aus?

Wenn er mit den Öffis fährt fühlt er sich wie ein Gentleman, Chicken Wings sind nur etwas für einen besonderen Anlass und Wien ist die schönste Stadt die er je gesehen hat. Doch manche seine Freunde werden zurück nach Afghanistan geschickt und auch er fühlt sich von Österreichern nicht immer akzeptiert. Für ihn hat sich trotzdem alles verbessert: „Wenn du offiziell fragst bin ich 19 Jahre alt. Wenn du mich fragst bin ich 2 Jahre alt, weil mein Leben erst in Wien angefangen hat.“

Regie: Hannah Greber

Hanens Story

Diese Geschichte bedient sich eines dokumentarischen Zugangs. Das Team besuchte ein Flüchtlings-Camp in Andravida, Griechenland, wo das Portrait einer syrischen Familie entstand, die erst ein neues Zuhause finden muss.

Regie: Thomas Seifert, Stv. Chefredakteur der Wiener Zeitung

Die Spiegel

Zu Beginn einer Geschichte findet sich die UserIn vor einem Spiegel wieder. Das Spiegelbild wird ihr jedoch fremd vorkommen, entspricht es doch jenem des/der Protagonisten/in der Geschichte, dessen/deren Stimme nun auch schon zu hören ist.  Auf diese Weise „lernt“ die ZuseherIn, dass sie nun in einen anderen Körper schlüpft und die Welt durch fremde Augen wahrnimmt. Ein Effekt wie dieser ist nur in VR herzustellen.

Die Spiegelbilder verhalten sich „realistisch“ und machen alle Bewegungen des Publikums mit. Blickrichtung, bzw. Position von Kopf und Oberkörper entsprechen zu jedem Zeitpunkt der UserIn, um die Illusion tatsächlicher Spiegelbilder aufrecht zu erhalten. Zu diesem Zweck werden 3D-Modelle der ProtagonistInnen erstellt und entsprechend animiert.

Technologie

Die 360 Grad Videos werden mit der Nokia OZO Videokamera gedreht. „Wir sind davon überzeugt, dass 360 Grad Videos nur in 3D wirklich gut funktionieren und die OZO liefert stereoskopische Videos und Bilder, sowie räumliches Audio in fantastischer Qualität. Die OZO erlaubt es uns, VR und Mixed Reality Anwendung auf höchstem Niveau herzustellen“, so die Organisatoren. 

Alle Geschichten sind in drei Sprachfassungen verfügbar: Deutsch, Englisch und die jeweilige Muttersprache der ProtagonistInnen (Arabisch, Farsi). Das Publikum kann zu Beginn einer Geschichte die gewünschte Sprache auswählen.

Die App wird mit Unity 2017 entwickelt. Das macht es möglich, auch zukünftige, bzw. andere VR Systeme wie HTC Vive oder Google Daydream zu unterstützen.

Escape Velocity wird für folgende Plattformen veröffentlicht: Samsung Oculus Gear Store (April 2018), Oculus Rift (April 2018), WebVR (April 2018), Steam VR Store (April 2018). Zudem ist ein Auftritt auf dem 4Gamechangers-Festival geplant. 

Website:  https://www.jungeroemer.net/escape_velocity/

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