„Ein Zwang zu Uploadfiltern wäre eine Gefahr für die Meinungsfreiheit“.

Ein EU-Vorschlag zur Urheberrechtsreform schreibt Plattformen das Vorab-Filtern aller Inhalte vor. Kritiker befürchten den Missbrauch als Zensurinfrastruktur. Updatedigital.at hat dazu mit Claudia Garád, Geschäftsführerin von Wikimedia Österreich, gesprochen.

Ein Upload-Filter würde für Medien wie Wikipedia große Probleme mit sich bringen. © Wikimedia Foundation

updatedigital.at: Ein EU-Vorschlag sieht die Einführung eines Upload-Filters vor. Wie sehen Sie diesen Vorschlag?

Claudia Garád: Eine Einführung von Uploadfiltern würde heißen, dass unsere AutorInnen mit großen Hindernissen zu kämpfen hätten: Die Wikipedia-Community müsste Filter installieren, die sie nicht will. Sie müsste AutorInnen vorab kontrollieren, was sie noch weniger will und die Hürden für Beiträge erheblich erhöhen würde. Ein Zwang zu Uploadfiltern wäre somit eine Gefahr nicht nur für ungehinderte Aushandlung und Verbreitung von Freiem Wissen, sondern beim Blick auf das Netz insgesamt für die Meinungsäußerungsfreiheit einer digital erschlossenen Gesellschaft.

updatedigital.at: Welche Maßnahmen zur Sicherung des Urheberrechts wären aus Ihrer Sicht angebracht?

Garád: Aus unserer Sicht ist die Wikipedia-Community selbst ist der beste Schutz vor Rechtsverletzungen, wie sie seit 2001 unter Beweis stellt. Urheberrechtsverletzungen auf unseren Projekten sind eine Seltenheit. Menschen sind bei Abwägungen schlichtweg besser als Maschinen. Sie sind in der Lage, auch komplexen Kontext zu erkennen (z.B. bei Satire), sie können argumentieren und differenzierte Entscheidungen treffen. So können Rechteinhaber*innen ihre Interessen durchsetzen, auch ohne dass Maschinen den Upload von vornherein verhindern. Wir plädieren daher für verantwortungsvolle, aktive Communitys, die den Kontext einer Nutzung bewerten, etwaigen Missbrauch entgegenwirken und “schwarze Schafe” aktiv bekämpfen können.

updatedigital.at: Gab es eigentlich schon Kontakt mit der neuen Regierung zu diesem Thema, um sich auszutauschen?

Garád: Das BMVRDJ lädt regelmäßig alle Bezugsgruppen In Österreich ein, Stellungnahmen zu den Entwicklungen auf europäischer Ebene abzugeben oder zu gemeinsamen Diskussionsrunden ins Ministerium. Diese Angebote nehmen wir immer gerne wahr. Anfang des Jahres waren wir außerdem in kleiner Runde zum Gespräch auf Arbeitsebene im Ministerium, allerdings waren damals noch nicht alle Positionen der Regierung zu allen Details bekannt.

Artikelbild:

Wikimedia Foundation [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

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