SxSW 2012: Wie man Geeks beeindruckt.

Nachbericht von der größten Interactive-Konferenz in den USA, einer überdimensionalen Werbefläche für Startups, Dienstleister und große Marken. Von Nina Mohimi.

© SxSW Werbeplanung.at

Das jährliche Film, Music und Interactive Festival „South by Southwest“ wurde ursprünglich nach dem Hitchcock Film „North by Northwest“ benannt. Kaum ein Betrieb hat es sich nehmen lassen eine eigene SxSW Promo auszurufen, von Live Musik in den Bars, eigener SxSW Mini-Panels während der ManiPedis in einem Spa hin zu SxSW-Reifenwechsel Angeboten. Effizient wurde außerdem auch jede mögliche Werbefläche wurde bis zum letzten Zentimeter genutzt. Hier meine ganz persönlichen Highlights der SxSW Conference in Austin, Texas und ein paar Tipps für jene, die sich einen Besuch 2013 überlegen:

No NEWs is Good News

Dank der überaktuellen Onlinewelt ist es mittlerweile nicht mehr so, dass man viele unbekannte Firmen/Produkte erst auf der SxSW entdeckt. European FOMO („Fear Of Missing Out“, also die Angst etwas zu versäumen) ist also definitiv nicht zu befürchten. Das soll den Wert des Festivals aber keinesfalls mindern,  denn es gibt dort ganze fünf Tage Zeit, jede relevante Firma und deren Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen näher kennenlernen. Besonders nett waren übrigens die Mitarbeiter am Foursquare Court, wo es selbstverständlich auch einen eigenen Badge fürs Einchecken gab. Und ganz unerwartet passiert es auch, dass man bei all den vielen Firmen auch zufällig auf Österreich trifft, zum Beispiel in Form von Soup.me. die beim durchaus kritischen SxSW Publikum sehr gut angekommen sind.

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Wer fragt, gewinnt

Seit heuer gibt es bei SxSW ein eigenes „Startup Village“ (gefördert von der Initiative „Startup America“) mit Ganztags-Programm maßgeschneidert für Entrepreneure und solche die es werden wollen. Eindrucksvoll waren dort die mehr als 650 Anmeldungen bei „The Accelerator“,  von denen 40 Finalisten ähnlich wie bei Talentshows im TV gegeneinander antreten durften. Gewonnen hat übrigens BranditYourself.com und ist damit in der guten Gesellschaft von Twitter und Foursquare, beides ehemalige „Absolventen“ des Accelerators.

Ich habe es mir nicht entgehen lassen, mir einen ganzen Tag lang nur die Präsentationen von Startups anzuschauen. Fazit: wenn die Idee halbwegs gut vorgestellt wird (die meisten übrigens ohne Powerpoint), geht man dort mit einer guten Startfinanzierung raus. Wer sich dem ganzen Druck dort nicht ausetzen will, hat trotzdem die Chance sich entweder eine „Sprech-Viertelstunde“ mit allen möglichen Investoren auszumachen oder einfach nur die Kontakdaten herauszufinden, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu kontaktieren.

Frauen – kein Thema, und das ist gut so

Wirklich erstaunt hat mich der hohe weibliche Anteil an Entrepreneurs, Beratern und Vortragenden – ganz ohne Quoten und Vorgaben. Sehr erfrischend war, dass sich die üblichen „Frauen als Entepreneure“ Vorträge in Grenzen gehalten haben und stattdessen die Inhalte und Erfahrungen der einzelnen Personen im Fokus waren – unabhängig vom Geschlecht.

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Im Bild: Vanessa Keitges - CEO Columbia Green Technologies, Lindsay Irvine – Head of Business Development KEAS, Kate Dohring- CEO, Rock It Media & Advisory Board Geena Davis Institute, Jesse Draper – CEO The ValleyGirl Show, Kate Brodock - Executive Director Digitial/Social Media Syracuse University 

Keep it simple

Wenn ich an die einzelnen Aktionen der ausstellenden Firmen denke, zeichnet sich eines ganz eindeutig ab – „Kleckern schlägt Klotzen“. American Express hat twitterfesten Kunden (und jenen die sich vor Ort für eine angemeldet und ihre Karte mit Twitter verbunden haben) die Chance geboten, sich je zwei Karten für ein Jay-Z Konzert zu holen. Die ganze Aktion ist trotz starker Twitter Integration relativ unpersönlich abgelaufen und hat sich damit auch nicht wirklich nachhaltig eingeprägt. Es hat eher einen „Wannabe“ Eindruck hinterlassen, als den einer innovativen und vor allem interaktiven Kampagne.

Unvergessen bleiben die ganz einfachen Dinge, wie das textlich entzückend formulierte Angebot für eigene SxSW Visitenkarten von Moo.com, die Einladung zu Food Trucks (mit sehr untexanischem Bio-Essen von Whole Foods) bei Mashable oder die Ballspiele mit Foursquare Mitarbeitern. Mit relativ wenig Aufwand wurde das nahbare Erleben der jeweiligen Firmenkultur und der persönliche Austausch mit den Mitarbeitern ermöglicht und genau das hat den Firmen ein „Gesicht“ verpasst und sich nachhaltig eingeprägt.

Man kann alles schlecht reden

Kein Event ohne eine kontroverse Diskussion, die weltweit für Schlagzeilen sorgt. Was ist das Hauptproblem auf einer Interactive Konferenz mit bis zu 30.000 Besuchern? Eine stabile Internetverbindung. Das wollte die Agentur BBH Labs heuer mit Homeless Spots lösen. Im Zuge der Aktion wurden Obdachlose mit Mi-Fi Geräten und T-Shirts mit der Aufschrift „I’m a 4G hotspot“ ausgestattet. Gegen eine freiwillige Spende konnte man sich von ihnen einen Wlan Zugang abholen. Die breite Reaktion aus aller Welt war große Entrüstung  und Ablehnung – im Übrigen großteils ohne betroffenen Obdachlosen zu interviewen. Schade, weil in Austin fast nur positive Stimmendazu vernommen wurden – plötzlich wurden nämlich obdachlose Mitmenschen nicht mehr ignoriert oder als störend empfunden, sondern aktiv gesucht. "Food for Thoughts“ wie man so schön sagt, oder...?

Inspiration über allem

Fährt man von jeder Agenda nach Austin, hat man den Luxus, sich einfach nur an der Stimmung vor Ort zu erfreuen. SxSW ist nicht nur eine Online-Konferenz mit einem Programm, wo für jeden das Passende dabei ist, sondern liefert auch die Stimmung eines Musikfestival, Partys und Events aller Art und die einzigartige Gelegenheit wirklich so gut wie jeden kennenzulernen, den man kennenlernen will.  

Tipps für Einsteiger 2013

Rechtzeitig buchen: Hotels sind so gut wie ausgebucht rund um SxSW. Am besten gleich beim Start des Kartenverkaufs die Unterkunft mitbuchen.

Programm planen: mit den SxSW Mobile apps oder dem Taschenplaner aus dem Starterpaket aus den bis 6000 Events pro Tag ein eigenes Program zusammenstellen.

Packen wie beim Wandertag: Regen-&Sonnenschutz und gute bequeme Schuhefür die vielen Meter die man trotz Shuttlebusse gehen wird.

Akkuladekabel: einer der meistgehörten Sätze war „Do you have an iphone charger cable?“. Es gibt genug Lademöglichkeiten, aber das Kabel sollte man immer dabei haben.

Visitenkarten: hier geht’s nicht ohne – sollte man wirklich alle schon vergeben haben,  kann man zur Not auch auf die Servietten zurückgreifen. 

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Wer mehr wissen will oder Tipps rund um SxSW von Lokaltipps bis zu Investorenkontakten sucht, kann Nina Mohimi unter mohimi@digitaljuicery.com kontaktieren.

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