Sprich mit mir: Die Dominanz der Sprachsuche.

Sprachsteuerung wird die Suche im Internet künftig dominieren. Um wirklich gehört zu werden, müssen Unternehmen und Medien neue Ansätze verfolgen.

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6,5 Millionen Sprachassistenten wurden 2016 weltweit verkauft. Doch das war erst der Anfang. Für 2017 prognostizierte VoiceLabs einen Anstieg der verkauften Geräte auf 24,5 Millionen. Auch die Umsatzentwicklung zeigt steil nach oben: Laut Strategy Analytics werden sich die Erlöse von aktuell 1,5 Milliarden Euro auf 5,5 Milliarden Euro nahezu vervierfachen. Dahinter steht nicht nur ein Milliardenbusiness, sondern auch völlig neue Möglichkeiten. „Voice Search wird in den nächsten Jahren zu einer absoluten Selbstverständlichkeit für uns alle werden. Deshalb wird jeder, der Internet und andere digitale Kanäle kommerziell nützt, darauf reagieren müssen. Nur so hat man die Chance, weiterhin erfolgreich zu sein“, meint dazu Michael Mrazek, Geschäftsführer der Werbeagentur NCM, im Gespräch mit update.

Suchabfragen auf Platz eins

Wie wichtig Suchabfragen über Sprachassistenten künftig werden, zeigt auch eine Umfrage von Statista. Demnach ist das Abrufen von Informationen von Suchmaschinen über digitale Sprachassistenten mit 47,7 Prozent Hauptzweck Nummer eins. Auf den weiteren Plätzen folgen „An meine persönlichen Termine erinnert werden“ mit 45,9 Prozent sowie „Wettervorhersage abrufen“ mit 45,3 Prozent. Das sieht auch Martin Schellrat, Geschäftsführer der Webwerk Online-Solutions GmbH, so, der einen weiteren Trigger für Sprachsuche auf Österreich zukommen sieht: „Nicht zuletzt mit dem Rollout von Google for Jobs, das auch bei uns in Österreich wohl hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten lässt, wird Voice Search einen weiteren Schub erhalten. Die sprachgesteuerte Jobsuche über strukturiert aufbereitete Daten wird wohl jede Branche betreffen.“ Mitten im Voice-Search-Geschehen ist bereits der Tourismus. „Der Tourismus nimmt hier sicher wieder eine Vorreiterrolle ein, da es in dieser Branche vorwiegend um die Beantwortung wenig komplexer Fragen geht, wie etwa ‚Wie ist die Wetterprognose für meinen Urlaubsort?‘ oder ‚Wo finde ich die beste Pizzeria in meiner Nähe?‘“, meint Schellrat. Wichtig ist dabei, dass man den Gästen die Informationen, die sie wollen, so zur Verfügung stellet, dass „Alexa, Siri und Co. sie einfach verarbeiten können. Denn nur dann kommen sie auch bei Ihren Gäste an“, meint Mrazek.

Amtswege über Voice?

Schellrat sieht aber auch in der Industrie, im Gewerbe und in der öffentlichen Verwaltung großes Potenzial für Sprachsuche: „So entwickeln wir bereits Konzepte, um in nicht allzu ferner Zukunft in der öffentlichen Verwaltung Amtswege und andere Workflows mittels Voice Search über Web-Applikationen zu steuern.“ Vor allem für die junge Zielgruppe ist Voice Search mittlerweile fast Standard. Laut einer Studie von Wix sind 55 Prozent der Sprachsuchen-Nutzer Teenager. Und: Laut comScore werden 2020 bereits die Hälfte aller Suchanfragen über die eigene Stimme abgesetzt. Am häufigsten genutzt wird die Sprachsuche laut einer Studie von Stone Temple mit 60 Prozent wenig überraschend zu Hause. Rund 50 Prozent nützen Alexa, Siri und Co. im Büro, aber nur, wenn sie allein sind, oder zu Hause gemeinsam mit Freunden.

Sprachsuche, aber wie?

Es bestehen also keine Zweifel, dass die Sprachsteuerung künftig einen wichtigen, wenn nicht den wichtigsten Stellenwert in der Suche einnehmen wird. In einem Hangout im Jänner 2018 erklärte Googles John Mueller, worauf es daher ankommen wird, um auch gefunden zu werden. Ihm zufolge profitiert Voice Search von strukturierten Daten mit Schema.org. Demnach soll ein Markup der Suchmaschine helfen, jene Seiten zu finden, die bestimmte Anfragen beantworten – das gleiche Prinzip wie bei der Erstellung der Rich Results. Mueller empfiehlt zudem die Einbindung von kleinen Voice Snippets auf der Seite, die von Google abgegriffen werden können, da die meisten Fragen auch nur eine kurze Antwort brauchen. Besonders interessant für Voice Search könnten laut Mueller künftig auch Podcasts sein. Google hat dazu ein „Action-Verzeichnis“ ins Leben gerufen, das die Aktionen verwaltet, die durch Befehle an Sprachassistenten ausgelöst werden. Publisher sollen verstärkt dabei eingebunden werden. Zudem geht Mueller auf einen anderen wichtigen Punkt ein: Der Stil des Textes sollte möglichst einfach sein, sodass man den Text ohne Probleme laut vorlesen kann.

FAQs feiern Comeback

Ein Comeback werden „Frequently Asked Questions“ (FAQs) feiern, die in den vergangenen Jahren eher ein Schattendasein gefristet haben. Da die meisten Suchanfragen über Stimme mit den berühmten W-Wörtern beginnen werden, wird auch die Wichtigkeit von FAQs wieder zunehmen. Je besser und umfangreicher die wichtigsten dieser Fragen auf der Website beantwortet sind, desto eher werden sie von der Suchmaschine auch ausgespielt. Besonders wichtig wird es dabei auch sein, die Inhalte so genau wie möglich auf Longtail-Suchanfragen abzustimmen. Füllwörtern kommt dabei eine größere Bedeutung zu, als es früher bei Suchanfragen der Fall war. So wäre die Headline „Beste Reisezeit England“ früher optimal gewesen. Künftig sollte man dann eher „Wann ist die beste Reisezeit, um nach England zu reisen“ verwenden. Wer sich mit diesen komplexeren Frage-Antwort-Spielchen besonders beschäftigt, hat auch größere Chancen, bei Google und Co. gefunden zu werden.

Keyword-Denken findet ein Ende

„Es wird für jeden Anbieter in Zukunft noch wichtiger sein, sich in seine Website- Besucher hineinzuversetzen“, meint auch Schellrat, der ergänzt: „Denn der Erfolg wird sich nur dann einstellen, wenn ein Anbieter die richtigen Antworten auf die Voice-Search-Fragen seiner User auch hinterlegt hat und bieten kann. Das Denken in simplen ‚Keyword- Kategorien‘ wird damit wohl ein Ende finden.“ Schellrat bringt zudem einen weiteren Aspekt ins Spiel: „Voice Search wird aus unserer Sicht in Zukunft auch vermehrt interne Abläufe betreffen.“ Der Digitalexperte meint damit etwa die Steuerung von industriellen Maschinen und Anlagen. „Fehlerberichte und mögliche Lösungen zur Fehlerbehebung könnten so zukünftig bereits per Sprachbefehl angefordert werden und durch eingespielte Lösungsvideos unterstützt werden.“

Noch viel Entwicklungsarbeit

Googles Ansichten sind aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss, denn der Internetgigant befindet sich selbst noch in der Testphase. Themenfelder rund um Voice Search, die Anfang des Jahres noch wichtig waren, können schon bald an Bedeutung verlieren. Bei all den oben genannten Punkten darf zudem nicht vergessen werden, dass zwar Google das Maß aller Dinge darstellt, aber beispielsweise die Sprachassistenten von Apple-, Microsoft- und auch Amazon-Geräten einheitlich auf die Suchmaschine Bing zugreifen. Das heißt aber auch, dass die Regeln, die für Google gelten, nicht automatisch auch für andere Suchdienste von Wichtigkeit sein müssen. Mrazek bestätigt dies: „Wohin die Entwicklung genau gehen wird, lässt sich nicht seriös vorhersagen – wie schon bei so vielen technischen Entwicklungen zuvor. Wichtig ist, den Prozess aufmerksam zu verfolgen, dabei nicht jedem Trend blind zu folgen, aber die entscheidenden Neuerungen zu erkennen und für sich zu nützen, damit Sie nicht abgehängt werden.“

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