"Die eine ,Killer App' ist noch nicht aufgetaucht".

Pieter Joost Verhoef, Boardmember der Location Based Marketing Association (LBMA) in der Region EMEA, im Werbeplanung.at-Interview über Location- based services.

Der Konsument wird erwarten, relevante Marketingbotschaften geliefert zu bekommen“ © PJ Verhoef Werbeplanung.at

Pieter Joost Verhoef, Boardmember der Location Based Marketing Association (LBMA) in der Region EMEA spricht im Werbeplanung.at-Interview über die Zukunftsaussichten von Location- based services. Außerdem fragt er sich, warum es so lange gedauert hat zu begreifen, dass die Location solch einen Schlüsselfaktor im Konsumentenerlebnis darstellt und freut sich auf die „Killer-App“, die nach ihm erst erfunden werden muss. In der Sommerausgabe von "update", die am 22. Mai erscheint, lesen Sie übrigens eine detaillierte Story über Location-based services.

Werbeplanung.at: Location-Based Services stellen heutzutage ein sehr junges Marketing Tool dar. Was wird in Zukunft, zum Beispiel in fünf bis zehn Jahren möglich sein? Wie wird man LBS wirtschaftlich noch besser nutzen können?

PJ Verhoef: Großartige Frage! Zuerst unterscheiden wir zwischen Location Based Services (LBS), die alle mobil sind, Location Enabled Services, die über das Smartphone verfügbar sind, und Location Based Marketing (LBM), wo die Location als Datapoint im Marketing genutzt wird. Damit wird eine Lücke zwischen den verschiedenen Formen des  Marketings geschlossen, zwischen Print, Social, Out-Of-Home und Real-Life Interaktionen.

Diese neuen Marketing Tools verbinden die Offline-Welt - Shops, Restaurants, Events oder im allgemeinen dem Mobile-Konsumenten - mit der Online Welt - eCommerce, Social Media, Digital Payment und Home Delivery. Wir glauben, dass der Konsument in fünf bis zehn Jahren von sich aus erwartet, relevante Marketingbotschaften, unter Berücksichtigung vieler Aspekte, an den Ort, an dem er sich gerade befindet, geliefert zu bekommen.
2012 nutzen schon viele Leute zum Beispiel Twitter, um ihre Erfahrungen untereinander zu diskutieren oder sich zu beschweren, im Glauben, dass ihre Nachricht gehört wird und danach dementsprechend gehandelt wird.

Es ist nicht schwer sich den nächsten Schritt vorzustellen, wo ein Konsument im ständigen Dialog mit seinen Marken, persönlichen Vorlieben und Standortinformationen ist, und im Austausch dafür großen Mehrwert erfahren kann, zum Beispiel das Billigste, Maßgeschneiderte oder das Bequemste zu finden. Warum also fragen wir immer noch Geschäftsangestellte um Informationen zu einem Produkt, wenn wir dasselbe mit einem einfachen Scan von QR-Codes mit unserem Smartphone erledigen könnten?

Ich könnte mit diesen Beispielen fortfahren. Was sie erkennbar machen ist, dass der Platz, wo Konsumenten Produkte suchen, kaufen und damit interagieren, zunehmend "befreit" von seinen physischen Beschränkungen wird. Deshalb muss das Marketing und der Konsument beginnen, auch cross-medial zu handeln.

Wir glauben, dass sich Unternehmen und Marken mit zwei Kanälen beschäftigen müssen, um die  Zusammenführung all ihrer kundenspezifischen Aktivitäten erreichen zu können.
Durch die Kombination des Besten aus den zwei Welten, können bessere Beziehungen zu  Kunden aufgebaut werden, und gleichzeitig Marketing-, Vertriebs-und Service-Kosten durch besseres Targeting verringert werden.

Werbeplanung.at: Was denken Sie macht LBS so faszinierend?

PJ Verhoef: Für mich persönlich ist es ein Rätsel, warum es so lange gedauert hat zu begreifen, dass die Location solch einen Schlüsselfaktor im Konsumentenerlebnis darstellt. Wir identifizieren uns alle stark mit den Plätzen, an denen wir leben, arbeiten und an die wir reisen und bemerken gleich, wenn eine Marke an diesen Plätzen auftritt.
Es ist uns wirklich egal, wo wir ein Produkt oder Service kaufen, solange es uns bestmöglich angeboten wird, also unter Berücksichtigung aller Signale, die wir dem Unternehmen für maßgeschneiderte Angebote senden. Diese Signale werden in einer wachsenden Zahl der  Social-, Local- und Mobile-Consumer (SoLoMo) angeboten, inklusive persönlicher Präferenzen, Kaufabsichten, Preissensitivitäten, Zeit und Ort.
Ein großartiges Buch zu diesem Thema ist “The Thank You Economy” von Gary Vaynerchuck.
Dieses beschreibt die Rückkehr der „old fashioned customer experiences“, wo der Shop-Besitzer seine loyalem Gönner kennt und ihnen persönliche Aufmerksamkeit und Privilegien bietet. Denn das ist der einzige Weg, mit dem ein physischer Einzelhandel mit dem Komfort und dem Preis eines Online-Shoppings konkurrieren kann.

Werbeplanung.at: Was denken Sie ist die herausragendste und beste LBS Idee der letzten Zeit?

PJ Verhoef: Ich muss sagen, dass DIE eine „Killer App“ noch nicht aufgetaucht ist. Eine App, die Mehrwert bietet, ist sofort für den Konsumenten erkennbar und bietet eine bequeme Möglichkeit für die Konsumenten mit Händlern und Marken zu interagieren.

Sagen wir, wir brauchen eine Plattform, die das anbietet, was Facebook für Social Media anbietet. Google und Facebook investieren viel in die erforderlichen Technologien, die das möglich machen können.Das wird wahrscheinlich Verstand und Beharrlichkeit einiger kleinen Unternehmen erfordern, um den Konsumenten davon zu überzeugen sich „always in“, also in seiner Location, zu zeigen.
Foursquare verdient eine lobenswerte Erwähnung als erste App, die erfolgreich die Macht der Location, die man mit der Masse teilt, erkannt hat. Sie wird aber noch zu einer größeren Plattform wachsen müssen, um neben den „Big Fish“ im Teich überleben zu können.

Aber wenn ich wissen würde was das nächste “Twitter for SoLoMo” sein würde, wäre ich beides: gewiss sehr reich und sehr dumm, wenn ich das in einem Interview verraten würde.

Diese Unternehmen gehören aber für weitere Entwicklungen im Auge behalten:
- Google (Places, Wallet, Shopping, Product Search, Offers)
- Facebook (Places, Deals)
- Ebay (Where, Paypal)

Und diese Innovationen von kleineren Playern gehören zur Kenntnis genommen:
- Retailigence / Milo / Shopsavvy
- Geotoko / Venuelabs / Momentfeed
- Screenscape
- Roamler / Airrand / Gigwalk

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