Klimastrategie auf Zukunftsmission.

Die neue Klimastrategie der Bundesregierung setzt in den Bereichen Infrastruktur und nachhaltige Energie an. E-Mobilität und Digitalisierung spielen dabei eine zentrale Rolle.

© Mobilitätsagentur - Yool

Anfang April präsentierten Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger und Verkehrsminister Norbert Hofer unter dem Titel „Mission 2030“ ihre gemeinsame Klima- und Energiestrategie. Das 64 Seiten umfassende Strategiepapier formuliert große Ziele, wohin sich die Republik in puncto Nachhaltigkeit und Umweltschutz entwickeln soll. Dabei sind für die heimische Umweltpolitik die Energie- und Klimaziele der Europäischen Union und die Vereinbarungen der Pariser UN-Klimaschutzkonferenz von 2015 die Basis. Angestrebt wird deswegen eine Transformation des bestehenden Energiesystems mittels Ausbaus erneuerbarer Energieformen, Dekarbonisierung, Energieeffizienz und Versorgungssicherheit. Dabei muss die Entwicklung mit Wachstum, Beschäftigung und budgetärer Nachhaltigkeit im Einklang stehen. Keine leichte Aufgabe, aber die neue Bundesregierung will mit frischem Wind die verstaubte Republik auch im Bereich Umwelt an die Spitze Europas führen. Zentrales Ziel der Klimapolitik der Bundesregierung ist die Reduktion von Treibhausgasemissionen. Laut Strategiepapier „Mission 2030“ soll Österreich seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um 36 Prozent gegenüber 2005 reduzieren.

Leuchtturmprojekte

Um die großen Ziele zu erreichen, wollen Köstinger und Hofer auch sogenannte „Leuchtturmprojekte“ umsetzen. Diese umfassen zehn Maßnahmen, darunter finden sich auch die „E-Mobilitätsoffensive“ oder die „100.000 Dächer Photovoltaik“. Zu den weiteren Maßnahmen gehört, die Sanierungsquote um zwei Prozent zu erhöhen, die Streichung der Eigenstromsteuer, keine Ölheizungen mehr in Neubauten ab 2020. Zudem soll das Förder- und Abgabensystem auf die Erreichung der Klimaziele hin evaluiert werden. Bis 2050 soll ein möglichst CO2-freier und energieeffizienter Gebäudebestand erreicht werden. Mittel der Wohnbauförderung sollen in Zukunft auch in die „gesamthafte thermische Sanierung“ fließen, diese soll außerdem steuerlich erleichtert werden. Zudem sollen fossile Energieträger sukzessive durch erneuerbare Energie ersetzt werden. In den nächsten 20 bis 30 Jahren sollen Ölheizungen durch Förderungsangebote vom Markt verdrängt und Photovoltaikanlagen auf Gebäuden vermehrt gefördert werden.

Ausbau erneuerbarer Energie

Österreich hat aufgrund der bestehenden Netzinfrastruktur, Kraftwerkskapazitäten und heimischen Energieressourcen ein sehr hohes Niveau an Versorgungssicherheit. Den neuen Entwicklungen im Strommarkt, wie der dezentralen Erzeugung, den neuen Speichertechnologien und der Digitalisierung, will man aber auch im Infrastrukturbereich Rechnung tragen. Zu diesem Zweck soll es einen sozial- und umweltverträglichen Ausbau, sowie eine Modernisierung der Netzinfrastruktur geben. Schon heute liegt der Anteil der erneuerbaren Energien in Österreich bei rund 33,5 Prozent. Strom wird sogar zu rund 72 Prozent aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Damit ist Österreich, was den Stromsektor betrifft, heute schon Vorreiter in Europa. Das Ziel der Bundesregierung ist aber, dass bis zum Jahr 2030 der nationale Gesamtstromverbrauch zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden kann. Dazu wird es einen Ausbau aller erneuerbaren Energieträger, der Infrastruktur, Speicher und Investitionen in Energieeffizienz brauchen.

Verkehr emissionsstärkster Sektor

Mit einem Anteil von 46 Prozent der Gesamtemissionen ist der Verkehr derzeit der emissionsstärkste Sektor. Zur Erreichung des Gesamtziels bis 2030 ist eine Reduktion der Emissionen von derzeit 22,9 um rund 7,2 auf rund 15,7 Millionen Tonnen CO2-Equivalente geplant. Dadurch könnte sich Österreich als Vorreiter in der Elektromobilität sowie bei den alternativen Antrieben positionieren und starke Impulse auf Bundes- und Landesebene für einen weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehres setzen. Ein wichtiges Leuchtturmprojekt in der Klimastrategie 2030 wird die E-Mobilitätsoffensive. Diese reduziert nicht nur die Klimabelastung, sondern bringt der heimischen Volkswirtschaft viele neue Wachstumsmöglichkeiten in den Bereichen Fahrzeugproduktion, Ladeinfrastruktur und Produktionstechnologien, ebenso für neue Dienstleistungen und Mobilitätsservices. Die österreichische Automobilbranche kann durch den Ausbau der E-Mobilität bis zu 34.000 Jobs und 3,1 Milliarden Euro an Wortschöpfung bis 2030 generieren. Der Anteil von E-Fahrzeugen bei den Pkw-Neuzulassungen beträgt aktuell 2,25 Prozent und nimmt im Pkw-Gesamtbestand nur einen Anteil von 0,39 Prozent ein. Hier ist noch viel Luft nach oben. Bis zum Jahr 2050 will die neue Bundesregierung einen weitgehend CO2-neutralen Verkehrssektor erreichen. Im Straßenverkehr soll mittel- bis langfristig der Umstieg überwiegend auf Nullemissionsfahrzeuge auf Basis von erneuerbarer Energie sowie auf Niedrigstemissionsfahrzeuge erfolgen. Hierfür sollen u. a. Rahmenbedingungen geschaffen werden, die bis 2030 eine Schwerpunktverschiebung hin zu emissionsfreien Neuzulassungen von Fahrzeugen ermöglichen.

Alle 100 Kilometer Ladestationen

Die ASFINAG hat in Zusammenarbeit mit privaten Anbietern schon auf Basis der Klimastrategie 2030 zu arbeiten begonnen. Bis Jahresende sind insgesamt 23 E-Ladestationen entlang der Hauptverkehrsrouten in Österreich geplant. Dadurch wird es etwa alle 100 Kilometer Ladestationen geben. Damit wird Elektromobilität alltagstauglich, denn nun sind auch Langstrecken mit einem E-Auto zu bewältigen. Viele dieser Ladestationen sind zudem für superschnelles Laden ausgerüstet. Diese Technologie – mit einer Leistung von 150 Kilowatt – erlaubt das Nachtanken für eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern innerhalb von nur 20 Minuten. Das ist der erste Schritt. In Zukunft soll das Versorgungsnetz noch deutlich enger geknüpft werden. Darüber hinaus werden neue Ladestationen der ÖBB in P&R-Garagen errichtet. Im Laufe des Jahres sollen bis zu 50 Standorte ausgerüstet werden. Auch im städtischen Umfeld wird die öffentliche Ladeinfrastruktur massiv erweitert. So plant die Stadt Wien die Errichtung von 1.000 neuen Ladepunkten. Hier haben die Bauarbeiten bereits begonnen. Förderungen von bis zu 4.000 Euro für E- Autos, Plug-in-Hybrid-Autos und EMotorräder sowie für privat betriebene Ladestationen sollen der E-Mobilitätsoffensive zusätzlichen Schub geben (www.umweltfoerderung.at).

Export von heimischem Know-how

Nachdem Österreich in vielen Bereichen mit innovativen Energietechnologien aufwarten kann, soll sich die Alpenrepublik als „Energievorzeigeregion“ etablieren. Auch mit urbanen Mobilitätslaboren und Testumgebungen für selbstfahrende Fahrzeuge sollen neue Projekte gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft und regionalen Akteuren auf den Weg gebracht werden. Laut der Klimastrategie „Mission 2030“ soll Österreich ein Leitmarkt für innovative Energietechnologien und energierelevante Verkehrstechnologien sowie technologiebasierte Dienstleistungen werden. Das Ziel ist es, offene Experimentierräume zu schaffen, um neue Lösungen zu entwickeln. Die Bundesregierung will hier auch Rahmenbedingungen schaffen, die private Investoren besser in Innovationsprozesse einbindet, um hier Österreich auch mit privater Unterstützung einen zusätzlichen Innovationsschub zu geben.

Mit inhaltlicher und finanzieller Unterstützung des BMVIT

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