Digitaler Kickoff: So transformieren sich Vereine.

Alt und verstaubt? Von wegen, denn die digitale Transformation erreicht auch Sportvereine und eröffnet ihnen vielfältige neue Perspektiven. Website, Social-Media-Präsenz oder das digitale Vereinsheim - für die insgesamt mehr als 90.000 Sportvereine in Deutschland bieten sich die verschiedensten Wege, um die Organisation in den Clubs zu optimieren oder ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Naomi Owusu, CEO und Co-Founder von Tickaroo, gibt Tipps, wie Vereinen die digitale Transformation gelingt.

© Jarmoluk - Pixabay.com

Tipp 1: Crossmediale Öffentlichkeitsarbeit etablieren

Eine moderne Homepage ist erst der Anfang: Auch für Vereine hat Social Media mittlerweile eine bedeutende Rolle eingenommen. Für viele Organisationen sind Facebookseiten heutzutage mindestens genauso wichtig oder sogar bedeutender, als die eigene Webpräsenz. Die hohe emotionale Verbundenheit der Mitglieder bescheren hier veröffentlichten Beiträge vergleichsweise hohe Interaktionsquoten und sind dafür geeignet, geteilt und weiterverbreitet zu werden. Dementsprechend sollte der Content teilbar sein und zur Interaktion mit den Mitgliedern einladen. Da vor allem jüngere Fans und Vereinsmitglieder immer häufiger auf andere soziale Netzwerke als Facebook ausweichen, lohnt sich eine crossmediale Präsenz über verschiedene Netzwerke hinweg. Der Content auf YouTube, Twitter, Instagram und Co. sollte sich dabei ergänzen und nicht einfach nur dupliziert werden. Während auf Facebook Fotoalben vom letzten Vereinsfest hochgeladen werden, könnte auf Instagram ein Sportler die Fans in Form einer Story durch seinen Tag mitnehmen - ähnlich, wie es der FC Bayern München regelmäßig macht. Somit ist es für die Zielgruppe attraktiver, nicht nur einer Seite zu folgen, sondern auch die anderen Kanäle im Auge zu behalten. Die konsequente und regelmäßige Nutzung verschiedener Kanäle stellt dabei zwar einen Mehraufwand da, von dem sich vor allem im Ehrenamt betriebene Vereine jedoch nicht abschrecken lassen sollten. Zielgruppen im Sport zeichnen sich in der Regel durch Loyalität aus und verzeihen kleine Fehler. Der Social Media-Auftritt muss vor allem eines: Authentizität widerspiegeln. Engagierte Fans können aus diesem Grund ebenso gute Social Media-Verantwortliche sein wie Vereinsmitglieder oder Sportler.

 Tipp 2: Mit kreativen Inhalten Fans begeistern

Der Onlineauftritt sollte ein starkes, selbstbewusstes und aktuelles Bild des Vereins zeigen. Jeder Verein ist anders und lebt von seinen Mitgliedern - dies sollte auch bei der Öffentlichkeitsarbeit deutlich werden. Auch hier gilt: Authentizität sticht Perfektion aus. Einzelne Mitglieder können porträtiert und somit die Organisation und deren Beteiligte  emotional darstellen. Multimedial werden kleine Geschichten aus dem Vereinsleben erzählt. Anekdoten sind es wert, mit den Fans geteilt zu werden. Sponsoring-Beziehungen eignen sich für gemeinsame Aktionen, wie Gewinnspiele oder Challenges. Zudem besteht hierbei die Chance, dass die Mitglieder und Fans die Unterstützer näher kennenlernen. Die Buchbinder Legionäre Regensburg sind dabei ein Best Practice-Beispiel. Auf ihrer Homepage bietet das Baseball-Team aus der Bundesliga eine Multimedia-Plattform samt Livestream, Spielerinterviews und einem Podcast an. Fans können sich außerdem nicht nur umfassend über den Verein und sein Stadion informieren, sondern auch online Tickets für das nächste Spiel buchen. Mit Eventbrite gibt es eine Plattform, die es erlaubt auch Sport-Veranstaltung und den Ticketverkauf digital und einfach abzuwickeln.

 Tipp 3: Effektivere Vereinsorganisation dank Apps

Ein Verein bedeutet einen hohen organisatorischen Aufwand, der nicht selten in ehrenamtlicher Arbeit erledigt wird. Bürokratie ist hierbei eine große Herausforderung. Eine umfassende Digitalisierungsstrategie mag für eine kurze Zeit einen Mehraufwand und eine Umstellung bedeuten, kann jedoch langfristig viel Arbeit, Zeit und auch Geld sparen. Tools und Apps digitalisieren die Mannschaftskasse oder vereinfachen Prozesse wie beispielsweise die Platzvergabe oder Hallenzeiten bei Sportvereinen. Die aktiven und ehemaligen Fußballspieler Daniel Baier (FC Augsburg), Christian Gentner (VfB Stuttgart), Marcel Schäfer (u.a. VFL Wolfsburg) und Christian Träsch (FC Ingolstadt) haben beispielsweise mit DeinTeam eine App entwickelt, mithilfe derer Trainingsorganisation, Strafenkataloge Statistiken, Abstimmungen, Tippspiele digital umsetzbar sind. Spezielle sichere Messengerdienste, wie zum Beispiel Wire, optimieren die Kommunikation und helfen zudem bei der Organisation von Mitfahrgelegenheiten oder Sportturnieren. Gleichzeitig bieten sie rechtliche Sicherheit in Zeiten der DSGVO und der Online-Verarbeitung personenbezogen Daten. Durch eigene Gruppen und Chats entsteht dadurch ein digitales Vereinsheim, das den Teamgeist auch außerhalb von Spiel- und Trainingszeiten unterstützt. Buchhaltungsapps wie Billomat erleichtern die notwendige Bürokratie und entlasten somit die oftmals ehrenamtlichen Helfer und Organisatoren.

Tipp 4: Digitale Unterstützung im Training

Dem Trainer kommt eine bedeutende Rolle zu. Er sorgt für den emotionalen Zusammenhalt im Team, löst Konflikte, ist Ansprechpartner genauso wie ein zentraler Organisator und sorgt mit seiner Erfahrung für die sportliche Qualität. Digitale Unterstützung rüttelt nicht an seiner Kompetenz und Autorität, sondern bietet das Potenzial, das Training effektiver zu gestalten. Spielzüge können z.B. mit Coach's Eye aufgezeichnet und später ausgewertet werden, mögliche Züge und Konter können beispielsweise beim Fußball mit Apps wie easy2coach oder taktikr strategisch geplant werden. Nicht nur im Profisport, sondern auch im Amateurbereich bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, Bewegungsabläufe, Standortdaten oder Körperwerte zu tracken und individuelle Verbesserungstipps zu erhalten. Zudem ergibt sich hier die weitere Chance, die Daten in der Gesundheitsforschung, etwa an Universitäten, zu nutzen.

Fazit: Neue Potentiale für die Sichtbarkeit, das Training und die Organisation

Die Digitalisierung von vereinsinternen Organisationsabläufen hilft dabei, einzelne Tätigkeiten schneller und effektiver zu erledigen. Durch vereinfachte Abläufe und bessere Kommunikation können sich die Mitglieder auf das konzentrieren, weswegen sie überhaupt erst in die Gruppierung eingetreten sind: Spaß an Sport und Spiel. Und auch außenstehende Fans profitieren von den neuen digitalen Möglichkeiten: Gepflegte sowie spannende Social Media-Kanäle und eine Website, über die sie alles über ihren Lieblingsverein erfahren, lassen Fanherzen höher schlagen. Dadurch wird die Beziehung zwischen Fan und Verein intensiviert und die Sichtbarkeit für sowohl talentierte Sportler oder potenzielle Neuzugänge als auch ambitionierte Übungsleiter erhöht. Vor allem auf regionaler Ebene ein wichtiger Faktor zum Erfolg.

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