AustrianStartups sieht Wettbewerbsnachteile für heimische Gründer.

Der Verein hat sein Arbeitspapier "Visionen für Startups in Österreich" vorgestellt, das die Rahmenbedingungen für heimische Gründer kritisiert. Werbeplanung.at war bei der Präsentation

© AustrianStartups Werbeplanung.at

Der Verein AustrianStartups hat sein Arbeitspapier "Visionen für Startups in Österreich" präsentiert. Darin kritisiert der Verein die Rahmenbedingungen für heimische Gründer und liefert zugleich einen Maßnahmenkatalog, der Österreich zu einem globalen Hotspot für innovative Startups machen soll. "Startups haben in den vergangenen Jahren tausende neue Jobs geschaffen", sagt Can Ertugrul, stellvertretender Geschäftsführer von AustrianStartups. Den Nährboden für innovative Geschäftsmodelle zu schaffen, bezeichnet er als "alternativlos". In Österreich können keine Unternehmen wie Apple oder Google entstehen, "weil die entsprechenden Rahmenbedingungen fehlen", kritisiert Ertugrul. 

Das Arbeitspapier fordert unter anderem, die Gewerbeordnung in Österreich zu reformieren. Auch die Notariatspflicht würde viele Jungunternehmen in ihrem Wachstum behindern. "Länder wie die USA oder Großbritannien zeigen, dass Verträge auch ohne die Notariatspflicht eingehalten werden", so Ertugrul. Das Papier liefert aber auch weitere Handlungsempfehlungen für die heimische Politik, etwa eine grundlegende Reform des Bildungswesens, die Vereinfachung von Mitarbeiterbeteiligungen sowie die stärkere Mobilisierung von Risikokapital. Hier empfiehlt das Arbeitspapier unter anderem, eine steuerliche Absetzbarkeit von frühphasigen Investitionen in Startups zu ermöglichen. Auch das enorme Potenzial von Crowdfunding müsse laut dem Papier endlich freigesetzt werden.

Dialog statt Forderungen

Christoph Jeschke, Geschäftsführer von AustrianStartups, versteht das Papier aber nicht "als einen Forderungskatalog". Es sei vielmehr das Ziel, "ein konstruktives Klima mit der Politik zu schaffen", so Jeschke. Den Maßnahmenkatalog habe man erarbeitet, "weil die Rahmenbedingungen für Startups in Österreich, vor allem im Vergleich mit internationalen Hotspots wie London, Berlin oder Silicon Valley, nicht ideal sind". In dem Report kommen neben Startup-Gründern und -Mitarbeitern auch Förderstellen, Investoren und Betreiber von Coworking-Spaces zu Wort. Das Interesse der Politik an der Thematik sei durchaus erfreulich, "der Dialog hat bereits begonnen", sagt Jeschke. In den vergangenen Wochen wurde das Arbeitspapier Vertetern aller Parlamentsparteien übergeben. Bei entsprechendem politischen Willen, könne Österreich bereits 2018 ein Vorzeigeland bezüglich Startupkultur sein, zeigt sich Jeschke optimistisch. Das Arbeitspapier steht unter diesem Link als PDF zur Verfügung.

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Die Vision von AustrianStartups: Österreich soll zu einem Vorzeigeland bezüglich Startupkultur werden. Grafik: AustrianStartups

Änderungsbedarf bei den Rahmenbedingungen für österreichische Startups sieht auch Oliver Holle, Geschäftsführer von SpeedInvest und Initiator des Austrian Startup Reports. Dieser wurde heuer bereits zum dritten Mal erhoben und will den "Istzustand der österreichischen Startup-Szene" abbilden. Die Studienergebnisse wurden im Rahmen der Präsentation des Arbeitspapiers "Visionen für Startups in Österreich" vorgelegt. Es zeigt sich, dass die heimische Startup-Szene nach wie vor eine Männerdomäne ist. Von den 575 Befragten, die alle aus der Startup-Szene kommen, sind 88 Prozent männlich. "Die niedrige Frauenquote ist und bleibt ein Problem", stellt Holle fest. Das durchschnittliche Alter der Befragten beträgt 32,3 Jahre, 81 Prozent haben ein Studium abgeschlossen.

Die Kultur des Scheiterns

Interessant ist der Umstand, dass die große Mehrheit der befragten Startup-Gründer internationale Marktperspektiven hat. "Startups, die nur regional operieren, verschwinden meist wieder sehr schnell", kommentiert Holle, der vor allem die geringen privaten Investitionen in heimische Jungunternehmen kritisiert. Diesen Umstand bezeichnet er als "große Hürde" für Startups in Österreich. Auf der anderen Seite geben 60 Prozent der Gründer an, bereits eine öffentliche Förderung erhalten zu haben. Das hohe Fördervolumen in Österreich bezeichnet Holle zwar grundsätzlich als großen Vorteil im internationalen Vergleich, dieses könne aus seiner Sicht aber nicht die geringen privaten Investitionen ausgleichen. Holle schätzt, dass private Investoren in Österreich derzeit zwischen zehn und 15 Millionen Euro pro Jahr in Startups investieren, "offizielle Zahlen dazu gibt es aber nicht", so der Geschäftsführer von SpeedInvest.

Als größte Hürde für Startups in Österreich sehen 90 Prozent der Befragten den Umstand, dass es hierzulande an einer "Kultur des Scheiterns" fehlt. Gründer, die mit einem Projekt gescheitert sind, erhalten demnach häufig keine zweite Chance. Holle fordert wie das Papier von AustrianStartups eine Liberalisierung der Gesetzgebung sowie eine Schaffung von Steueranreizen für private Investoren. Um die Rahmenbedingungen für Startups in Österreich zu verbessern, sei "politischer Wille notwendig". "Sonntagsreden alleine werden nicht reichen", sagt Holle.

Die Ergebnisse des Reports finden Sie hier.

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