Nicht ohne mein Bargeld .

Österreicher bleiben weiterhin äußerst bargeldaffin und auch beim Sparen bei risikoscheuem Konservativismus.In den vergangenen 20 Jahren hat sich diesbezüglich wenig verändert.

© Maklay62 - Pixabay

„Bargeld dominiert nach wie vor deutlich das Zahlungsverhalten in Österreich.“ Zu diesem Ergebnis kommt die Oesterreichische Nationalbank, die in regelmäßigen Abständen eine Zahlungsverhaltensumfrage durchführt. 

Rund 80 Prozent aller täglichen Transaktionen werden in bar abgewickelt, was immerhin 65 Prozent des gesamten Zahlungsvolumens ausmacht. Die Mehrheit der Befragten präferiert Bargeld, weil es für sie das subjektiv gesehen bessere Zahlungsmittel darstellt. Alle Untersuchungen zeigen, dass Österreich – trotz steigender Zahlen etwa bei der NFC-Nutzung an der Kasse des Handels – im internationalen Vergleich ein besonders starkes Bargeldland bleibt. Mehr als 90 Prozent aller Zahlvorgänge bis zu zehn Euro werden bar durchgeführt, während in dieser „Preiskategorie“ die Skandinavier schon mehrheitlich die Karte zücken. 

Selbst bei Zahlungen, die über 100 Euro hinausgehen, liegt der Barzahlungsanteil noch bei respektablen 47 Prozent. Naturgemäß sind somit die bargeldlosen Zahlungen pro Kopf hierzulande vergleichsweise bescheiden. Jüngste internationale Vergleiche liegen aus dem Jahr 2016 vor: Während etwa in Finnland die Zahl der bargeldlosen Transaktionen per capita und Jahr 466 betrug, lag sie in Österreich bei eher bescheidenen 155 Zahlvorgängen. Auch Dänemark, Schweden, die USA oder Großbritannien liegen hier weit vor Österreich. Selbst in Deutschland – wo eine ebenfalls beträchtliche Vorliebe für das Bargeld vorherrscht – lag die Zahl der bargeldlosen Transaktionen pro Kopf und Jahr bei mehr als 200. 

Den Alternativen trotzen

Die Notenbank hat in ihrer Untersuchung unter anderem ermittelt, dass die Befragten gemäß ihren Vorlieben bezahlen, auch wenn es Alternativen gäbe. Mehr als die Hälfte gab an, in einem Geschäft vorzugsweise bar zu bezahlen, auch wenn eine Kartenzahlung möglich wäre. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen darüber hinaus, dass die Barzahler in allen soziodemografischen Gruppen stark vertreten sind. Selbst Kartenzahler bewerten das Bargeld emotional als besser, weil es – subjektiv gesehen – den Ausgabenüberblick erleichtert und die Anonymität bewahrt. Generell steigt jedoch die Präferenz für das Bargeld mit dem Alter, während die Jüngeren – vor allem in der Altersgruppe bis 30 Jahre – viel öfter zur Karte greifen.

Die Präferenzen für das Bargeld haben auch historische Gründe. Die Finanzkrise vor zehn Jahren führte zu beträchtlicher Verunsicherung. Auch diverse Äußerungen von Bankern nährten diese Unsicherheit, gepaart mit der Angst vor dem Verlust der Anonymität. So hatte einst John Cryan, damals Chef der Deutschen Bank, beim World Economic Forum in Davos gemeint, in zehn Jahren werde es kein Bargeld mehr geben, denn dieses spiele eine Schlüsselrolle bei illegalen Geschäften. Der damalige deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble wiederum wollte EU-weit eine Barzahlungsobergrenze bei 5.000 Euro einführen, um die Kriminalität einzudämmen. Auch spätere Ankündigungen etwa der EZB, man werde den 500-Euro-Schein schrittweise aus dem Verkehr ziehen, schürten weiter die Unsicherheit.

Bewährtes Sparen

Der Finanzkonservativismus der Österreicher dokumentiert sich jedoch nicht nur bei der Präferenz für das Bargeld. Auch beim Sparen wird auf sofortige Verfügbarkeit Wert gelegt. Selbst jetzt, da aufgrund der Nullzinspolitik der EZB auf Sparbüchern praktisch keine Habenzinsen mehr zu haben sind und auch die Zinsversprechen für das gebundene Geld (Termineinlagen) deutlich unter der Inflationsrate liegen. Die Österreicher nehmen sehenden Auges eine Wertminderung ihrer Ersparnisse in Kauf. Der Kaufkraftverlust auf dem Sparbuch liegt derzeit bei rund zwei Prozent jährlich. Das nehmen die Sparer wohl als Preis für Sicherheit und jederzeitige Verfügbarkeit – einige wohl zähneknirschend, die meisten aber gelassen – hin. So wanderten von den Ersparnissen des Vorjahres rund 80 Prozent auf das Sparbuch im weitesten Sinne.

„Der größte Teil der Neuveranlagungen ging auch 2017 wieder in täglich fällige Einlagen“, vermeldet die Nationalbank. Sie wurden im Vorjahr in Höhe von 14 Milliarden Euro aufgebaut. Nur sehr träge entwickelt sich das Bewusstsein, dass mit Wertpapieren zumindest der Kaufkraftverlust zu stoppen wäre. Während beispielsweise die Finnen für die Finanzvermögen der privaten Haushalte im Vorjahr eine Rendite von mehr als sieben Prozent lukrieren konnten, waren es hierzulande nur 2,5 Prozent. Das Sicherheitsdenken und die mangelnde sogenannte Financial Literacy, also das höchst rudimentäre Finanzwissen, sind die Hauptgründe dafür. Folgerichtig liegt der Anteil der privaten Haushalte, die in Aktien investiert sind, bei mageren sechs Prozent, obwohl in den vergangenen Jahren mit Aktien eine teils hervorragende Performance erzielbar gewesen wäre. Auch bei den Investmentfonds liegt deren Verbreitung auf heimischen Wertpapierdepots weit unter den internationalen Vergleichswerten.

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