„Es wird Zeit für eine alpenländische Versandhandels- und Exportkultur“.

Der Conference Day der „Jetzt Amazon“ wird am 27. Juni von Klaus Forsthofer mit seinem Vortrag „Wie Amazon Märkte revolutioniert – das Amazon-Ökosystem und seine Erfolgsfaktoren“ eröffnet.

 Klaus Forsthofer © Viermalvier.at

Der Mitbegründer von MarktPlatz1 hat bereits vorab mit updatedigital.at darüber gesprochen, wie Amazon in kurzer Zeit vom kleinen Startup zu einer Weltmacht im Onlinehandel geworden ist. Klaus Forsthofer ist außerdem Gründungsmitglied der deutschen ACE Handels- und Entwicklungs GmbH und plädiert auch in Österreich für eine längst überfällige Versandhandels- und Exportkultur.

updatedigital.at: Was erwarten Sie sich als Speaker von der "Jetzt Amazon" 2018?

Klaus Forsthofer:  Eine angeregte, grundsätzliche Diskussion über die Amazon-Side des E-Commerce und eine spezielle Diskussion über die Rolle Österreichs auf Verbraucher- und Anbieterseite.

updatedigital.at: Sie halten den Eröffnungsvortrag am Conference Day der "Jetzt Amazon": Was dürfen sich die Besucher der Konferenz von Ihnen erwarten?

Klaus Forsthofer: Einen Einblick, wie mich das Amazon Ökosystem als Händler verändert hat, welche Chancen es birgt und wo auch Risiken liegen. Dazu eine Kurzübersicht über die derzeit wichtigsten Amazon-Programme.

updatedigital.at: Wie hat es Amazon – aus Ihrer Sicht – in relativ kurzer Zeit geschafft zu einem marktverändernden Player zu werden?

Klaus Forsthofer: Der Wunsch, wie der Amazonas zu werden, ein großer Fluss – was mit der größten Auswahl an Produkten für Kunden übersetzt werden kann. Dies gelingt durch eine fast fanatische Kundenzentrierung, Kleinteams, Startup-Strukturen, der kalkulierten Lust am Scheitern, Diskussion von scheinbar schrägen Ideen, kommend aus den niedrigsten Ebenen und einem anderen Geschäftsmodell. Amazon reinvestiert seit über 20 Jahren alle Erträge und hat den Aktionären noch nie eine Dividende bezahlt. Würden Sie sich Ihre Shareholder fragen trauen, ob Sie bereit wären, die nächsten zehn bis 20 Jahre auf Dividenden zu verzichten, um dafür meiner Einschätzung nach 7.000 KI-Entwickler zu beschäftigen und ca. 5 Milliarden US-Dollar in einen Zukunftsmarkt wie Indien zu investieren?  Mit über 530.000 Mitarbeitern ist Amazon derzeit wohl das größte Start-Up der Welt. Meetings dürfen maximal von 2-Pizza-Teams (US-Pizzen sind größer) abgehalten werden. Alles über 10 Personen ist laut Jeff Bezos „wasting time“. PowerPoint ist verboten, und neue Ideen werden als zumindest 6-seitige Aufsätze präsentiert, was wohl auf seine Anfänge als Buchhändler zurückzuführen ist. Amazon ist überraschend selbstkritisch und stellt alle seine Prozesse und Programme immer wieder in Frage. Das ist eine Eigenschaft, die ich so bei anderen Techs noch nicht erleben konnte. Amazon beobachtet den Wettbewerb weniger stark als andere Unternehmen und setzt auf eine außergewöhnlich hochqualifizierte Führungsstruktur. Amazon selbst versteht sich gar nicht so sehr als Einzelhändler, vielmehr als Technologie-Unternehmen, das von der auf den Kunden maßgeschneiderten Jeans träumt, die innerhalb von 12 Stunden produziert und zugestellt wird. Ja, viele Amazonians wollen tatsächlich die Welt Tag für Tag verändern. Das ist in der DNA dieser Company unter dem Label #day1 – so auch der Name des Innovationsblogs von Amazon.

updatedigital.at: Welche Key-Learnings werden die Konferenzteilnehmer nach Ihrem Einstiegsvortrag bei der 'Jetzt Amazon' noch mit nachhause nehmen können?

Klaus Forsthofer: Dass Amazon kein Händler ist, sondern für Anbieter ein gesamtes Handelsplatzökosystem das skalierbare Logistik- und Katalogsysteme für die Händler und Markeninhaber vorhält. Dass die einfachste Chance, der Export nach Deutschland ist. Mit Amazon werden österreichische Anbieter das erste Mal chancengleich mit Ihren deutschen KollegInnen. Vielen ist das aber nicht bewusst, und sie diskutieren über die Dominanz der deutschen Händler in Österreich. Insbesondere für österreichische Anbieter ist Amazon eine viel größere (Export)chance als Risiko. Amazon ermöglicht es KMU, ihre Produkte in Europa kostengünstig anzubieten und erleichtert auch den Schritt in andere Märkte wie die USA. Ein Schritt, den ich persönlich ohne Amazon nicht gegangen wäre. Historische Geschäftsmodelle wie das durchhandeln von physischen Standardprodukten, wird langfristig keine tragfähige Idee sein. Es geht um das Neue und Wendige. Eigenmarken. Erschließung von Nischen. Spezialprodukte. Ideen. Exportmärkte. Raus aus dem klein-klein, denn Widerstand gegen die Zeit ist zwecklos. Ich betreue Schneiderinnen aus Berlin, die Ihre Babytragen mittlerweile in 18 Ländern dieser Welter verkaufen: drei Mütter! Ohne einen Dienstleister wie Amazon wäre das logistisch gar nicht möglich, und es gibt noch eine riesige Chance: Der größte Einzelhändler der Welt behandelt im Seller- bzw. Marktplatzmodell alle Anbieter konditionell gleich.  Das klingt erst einmal unspektakulär, ist aber ein Quantensprung an Dynamik für kleine Unternehmen. Man muss heute dem jeweiligen Einkäufer nicht mehr persönlich gefallen, anstatt kann man Kunden überzeugen und sich als schnell gegen groß durchsetzen. Das heißt auch kleine smarte Anbieter können sich behaupten. Nicht umsonst sind auf amazon.de über zehntausende Seller angedockt. Fragen Sie doch mal einen Media-Markt oder H&M, ob Sie Ihr Ware dort platzieren dürfen bzw. wenn, dann unter welchen Konditionen/Auflagen?

updatedigital.at: Was erwarten Sie sich von den Vorträgen der anderen Speaker bei der "Zeit Amazon"?

Klaus Forsthofer: Praxisorientierte Sensibilisierung der österreichischen Händlerschaft. Hinführung zum Chancendenken und werben für eine #einfachmachen Mentalität. Die Branche ist zu schnelllebig, um gestrige Businesspläne zu schmieden und jahrelange Pläne zu wälzen. Österreichische Händler und Markeninhaber haben enormes Aufholpotential. Nicht einmal 1 Prozent der Amazon-AT-Bestellungen werden von österreichischen Händlern erfüllt. Es wird Zeit für eine alpenländische Versandhandels- und Exportkultur!

 

>>> Informationen zur „Jetzt Amazon“

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